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Havarierter Frachter Containerschiff droht vor Neuseeland zu bersten


Der Schiffsstahl hält den enormen Belastungen nicht mehr stand: Der vor Neuseeland liegende Containerfrachter ist mittlerweile fast ganz auseinandergebrochen. Die Bergungsmannschaften hoffen, dass die "Rena" noch bis Samstag durchhält - um die große Ölkatastrophe doch noch abzuwenden.

Das vor Neuseeland havarierte Containerschiff ist fast komplett auseinandergebrochen und droht 1000 Tonnen Treibstoff zu verlieren. Bergungsmannschaften hoffen, dass die "Rena" noch bis Samstag durchhält: Dann könnten endlich die Tanks entleert werden, sagte ein Vertreter des Schifffahrtsamtes.

Mit einem hochriskanten Einsatz trafen Rettungsteams Vorbereitungen, um das verbliebene Schweröl abzupumpen. Am Rumpf des Schiffes befestigten die Experten am Freitag Stahlplattformen, um eine ebene Fläche für die Arbeiten zu schaffen. Die "Rena" hat mittlerweile eine starke Schlagseite von fast 25 Grad. Die Teams laufen auf dem glitschigen Deck Gefahr, von umstürzenden Containern getroffen zu werden.

400 Tonnen Schweröl in Pazifik gelaufen

Seitdem der Unglücksfrachter vor neun Tagen 20 Kilometer vor der Küste am Astrolabe-Riff auf Grund gelaufen war, sind bereits mindestens 400 Tonnen Schweröl ins Meer gelaufen. Die Folgen des Unglücks lassen sich seit Tagen beobachten: Autoreifengroße Ölplacken werden an die Strände geschwemmt und bescheren den rund 1500 Freiwilligen einen Arbeitseinsatz, der sich über Wochen hinziehen wird. 200 tote Seevögel und Pinguine und fünf verendete, ölverklebte Seehunde wurden bisher gezählten - und sie werden nicht die einzigen Opfer des Unglücks bleiben.

Schuld an der Katastrophe, mit der sich die Einwohner der Hafenstadt Tauranga konfrontiert sehen, sind nach Ansicht der Behörden der philippinische Kapitän des Frachters, der unter liberianscher Flagge fuhr, und sein Stellvertreter. Sie wurden festgenommen, weil sie nach Ansicht der Ermittler mit ihrer Fahrweise für "unnötige Gefahren und Risiken" sorgten. Die beiden Männer müssen mit einer hohen Geldstrafe und bis zu zwölf Monaten Gefängnis rechnen. Wie genau es zu dem Unglück kam, ist allerdings völlig unklar. Das nur 80 Meter breite Riff ist seit mehr als 180 Jahren in den Seekarten eingetragen, die Schiffe bekommen eindeutige Anweisungen, wie sie das Gebiet umrunden sollten. Spekulationen, ob der Geburtstag des Kapitäns, der am Unglückstag 44 Jahre alt wurde, oder angebliche Mängel am Frachter etwas mit der Havarie zu tun haben, wollen Schifffahrtsbehörde und Regierung Neuseelands bisher nicht kommentieren.

Bisher erst 10 Tonnen abgepumpt

Die Einsatzkäfte des Katastrophenschutzes waren am Donnerstag, acht Tage nach der Havarie, wieder auf den Frachter zurückgekehrt, nachdem sie das Schiff zwei Tage zuvor hatten verlassen müssen. Das Wetter war einfach zu schlecht, hohe Wellen hatten die Arbeit unmöglich gemacht. Bisher konnten nur etwa 10 Tonnen der schmierigen Flüssigkeit auf ein Spezialschiff gepumpt werden.

Was passiert, wenn es nicht rechtzeitig gelingt, das Öl abzutransportieren, und die "Rena" auseinanderbricht und sinkt, beschreibt die Umweltorganisation WWF auf drastische Weise: Das auslaufende Öl würde dann in die Nahrungskette gelangen und über Jahre, bis hin zu einem Jahrzehnt Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen. Umweltminister Nick Smith befürchtet die schlimmste Umweltkatastrophe, die das Land jemals zu bewältigen hatte.

fw/mlr/Reuters Reuters

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