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Höhlen-Drama in Thailand: "Ich schlafe auf einem Stuhl und fahre nur einmal am Tag nach Hause, um zu duschen"

Seit fast zwei Wochen sitzen zwölf Jungen in einer Höhle in Thailand fest. Ihre Bergung wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Situation bleibt schwierig, die Nerven sind angespannt - besonders bei der Mutter eines der Jungen.  

Die Mutter von einem der zwölf eingeschlossenen Jungen zeigt ein Bild ihres Sohnes mit seinen Freunden

Die Mutter von einem der zwölf eingeschlossenen Jungen zeigt ein Bild ihres Sohnes mit seinen Freunden

AFP

Das Warten, die Anspannung, das Bangen nimmt für die Mutter zunächst kein Ende. Ihr Sohn und elf weitere Jungen sind seit zwölf Tagen in einer Höhle eingeschlossen. Sie werden mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut. Doch die endgültige Rettung des lange vermissten thailändischen Fußballteams ist kompliziert - und wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit: Viele Kammern der Höhle sind überflutet, für Freitag sind neue Regenfälle vorhergesagt.

"Mein Sohn musste seinen 14. Geburtstag in der Höhle erleben", wird die Mutter von der "Bild"-Zeitung zitiert. "Es ist wie ein Gefühlskarussell. Wir lachen, weinen, beten." Britische Taucher hatten die zwölf Jungen und ihren Trainer am Montag nach neuntägiger Suche in der kilometerlangen, verwinkelten Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands entdeckt. Die Gruppe hatte die Höhle am 23. Juni nach einem Training
besucht. Laut Behörden waren die Jugendfußballer dort wohl von einer Sturzflut überrascht worden und hatten sich immer tiefer ins Innere der Höhle zurückgezogen. 

"Wir können dem Trainer nicht böse sein, ich denke, mein Kind wird rauskommen. Mein Sohn ist stark", so die Mutter laut "Bild". "Ich schlafe auf einem Stuhl und fahre nur einmal am Tag nach Hause, um zu duschen." Sie will den Moment offenbar nicht verpassen, in dem die zwölf Jungs - und ihr Sohn - die Höhle endlich wieder verlassen können. Die Frage ist aktuell nur: Wie?  

So könnten die Jungen aus der Höhle gerettet werden

Nach Angaben von Provinzgouverneur Narongsak wägen die Rettungskräfte angesichts der Wettervorhersage ab, ob die elf bis 16 Jahre alten Jungen doch fit genug sind, um aus der Höhle hinaus zu tauchen. Marinetaucher haben den Jungen bereits Grundkenntnisse im Tauchen beigebracht und für jeden eine Tauchausrüstung bereitgestellt.

Diese Art der Rettung gilt eigentlich als hochriskant, da keiner der Jungen tauchen und einige nicht einmal schwimmen können. Sie müssten zunächst tauchen lernen und dann in schlammigem Wasser praktisch blind durch extrem enge Stellen tauchen. Selbst erfahrene Profitaucher brauchen rund sechs Stunden, um zu den Jungen zu gelangen.

Alternativ könnten die Kinder die Höhle durch einen Gang verlassen, der noch gefunden oder in die Felsen gebohrt werden müsste. Schließlich könnte das Fußballteam das Ende der Monsun-Zeit abwarten, um dann nach Monaten durch trockene Höhlengänge endlich ins Freie zu gelangen.

Höhle in Thailand

Tham Luang-Khun Nam Nang Non: Das Höhlensystem mit einigen markanten Wegpunkten 

Videobotschaft löst in Thailand große Freude aus

Die Mutter des 14-Jährigen gibt nicht auf. "Ein Mönch mit dem ich zusammen gebetet habe, schenkte mir eine Robe", sagt sie laut "Bild"-Zeitung. "Das ist im Buddhismus eine besondere Ehre. Sie gibt mir viel Kraft."

Kraft und Hoffnung wird ihr auch eine Videobotschaft ihres Sohnes und seiner Leidensgenossen gegeben haben. Die an der Rettung der Jungen beteiligte thailändische Marineeinheit veröffentlichte die Botschaft der Jungen auf Facebook. Nur spärlich beleuchtet grüßen sie in der dunklen Höhle auf traditionelle thailändische Weise, stellen sich einzeln vor und sagen dann jeweils: "Mir geht es gut." 

Einige sind in der Aufnahme in Schutzdecken gewickelt, an ihrer Seite sind ihr 25-jähriger Trainer und ein lächelnder Taucher im Neoprenanzug zu sehen. Am Ende des Films sagt einer der zwölf Jungen, er sei in der Vorstellungsrunde vergessen worden - was Gelächter auslöst. Die gut einminütige Videobotschaft löste in Thailand große Freude aus, nachdem das Land mehr als eine Woche lang um das Leben der Jungen gebangt hatte. "Ich vermisse meinen Enkel so sehr. Ich kann es nicht erwarten, die Kinder wiederzusehen", sagte die Großmutter von einem der Jungen laut "Bild"-Zeitung. Die Rettungskräfte sind drauf und dran, diese Wartezeit so kurz wie möglich zu machen. 

fs / AFP
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