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Hyderabad in Indien Polizisten erschießen mutmaßliche Mörder bei Ermittlungen – und werden gefeiert

Menschen werfen Blütenblätter auf indische Polizisten
Menschen werfen Blütenblätter auf Polizisten, die ein Gebiet am Rande von Chattanpally in Shadnagar, etwa 50 Kilometer von Hyderabad, bewachen, in dem vier mutmaßliche Vergewaltiger von der Polizei erschossen wurden
© Mahesh Kumar A/AP / DPA
In Indien wird eine junge Tierärztin vergewaltigt und ermordet. Die Polizei fasst die Täter – und erschießt sie während einer Tatortbegehung. Viele Menschen in Indien sind hocherfreut.

Nach der brutalen Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Tierärztin in Indien sind die mutmaßlichen Täter bei der Nachstellung des Verbrechens von der Polizei erschossen worden. Polizisten hätten in der Nacht zum Freitag mit den Verdächtigen den Tatort begehen wollen, sagte ein Mitarbeiter der Polizei. Die vier Männer hätten zu entkommen versucht. "Sie wollten Waffen an sich reißen", sagte Polizeisprecher Prakash Reddy. Bei der anschließenden Schießerei seien sie getötet worden - die Polizei sprach von Notwehr. Die Familie des Opfers begrüßte den Tod der Männer, Frauenaktivistinnen dagegen kritisierten das Verhalten der Polizei.

Menschen werfen Blütenblätter auf indische Polizisten
Menschen werfen Blütenblätter auf Polizisten, die ein Gebiet am Rande von Chattanpally in Shadnagar, etwa 50 Kilometer von Hyderabad, bewachen, in dem vier mutmaßliche Vergewaltiger von der Polizei erschossen wurden
© Mahesh Kumar A/AP / DPA

Der Tod der 27-jährigen Veterinärin hatte landesweit wütende Proteste ausgelöst. Den Ermittlungen zufolge war die junge Frau im November in einem Vorort der Millionenstadt Hyderabad von den vier Verdächtigen vergewaltigt, anschließend mit Benzin übergossen und verbrannt worden. Sie hatte kurz zuvor noch ihre Schwester per Handy alarmiert.

Blüten am Tatort, wo die Leiche einer jungen Frau verbrannt worden war
Blüten liegen auf der Erde an dem Ort, an dem der verbrannte Körper einer 27-jährigen Frau vergangene Woche von einem Passanten gefunden wurde
© Mahesh Kumar A/AP / DPA

Laut Polizei war die Tierärztin bei einer Mautstation verschwunden, wo sie ihren Motorroller geparkt hatte. Männer hätten der Frau  angeboten, bei der Reparatur ihres Rollers zu helfen. Dann sollen sie die Frau verschleppt, abwechselnd vergewaltigt und anschließend getötet haben. Verbrannt wurde ihre Leiche dann an einer rund 25 Kilometer entfernten Straßenunterführung.

Wütende Proteste in Indien nach der Ermordung der jungen Frau

Die Tat hatte landesweit wütende Proteste ausgelöst, Demonstranten forderten ein rasche und harte Verurteilung der vier Verdächtigen. Am vergangenen Samstag hielt die Polizei in Hyderabad nur mit Mühe eine aufgebrachte Menge davon ab, die Wache zu stürmen, in der die vier Männer festgehalten wurden.

Laut CNN sollten die vier Männer am frühen Freitagmorgen im Rahmen der Untersuchung des Verbrechens ihre Tat nachstellen - warum dieser sehr frühe Uhrzeit noch vor dem Morgengrauen gewählt wurde, wurde nicht bekannt. Dabei soll es zu dem Fluchtversuch gekommen sein. Nach der Schießerei sei noch ein Krankenwagen für die vier Männer gerufen worden, hieß es. Doch nur noch ihr Tod habe festgestellt werden können. Ihr Alter wird in den Presseberichten unterschiedlich angegeben, sie sollen zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen sein. Es soll sich um zwei Lastwagenfahrer handeln und zwei Lastwagenreiniger. Wie viele Polizisten an der Tatortbegehung und der Schießerei beteiligt waren, wurde nicht bekannt. Unklar blieb auch, wie genau sich das Geschehen abspielte.

Freude über den Tod der mutmaßlichen Vergewaltiger

Der Tod der vier Männer löste vor allem große Freude in Indien aus – laut CNN auch bei den Angehörigen der jungen Frau, die mutmaßlich von ihnen vergewaltigt und getötet worden war. Auch ihr Vater bedankte sich bei der indischen Regierung und Polizei, wie er der indischen Nachrichtenagentur ANI sagte: "Die Seele meiner Tochter wird jetzt in Frieden ruhen." In den sozialen Netzwerken gab es viel Zustimmung für die Beamten.

Die Polizei riegelte den Ort der Schießerei ab. Hunderte Menschen strömten zusammen, um die Ordnungshüter zu feiern. Manche Menschen zündeten zur Feier Feuerwerkskörper an, die Beamten wurden mit Blütenblättern bestreut. Auch aus anderen Landesteilen wurde von Freudenfeiern berichtet. Die Schwester der Ermordeten sagte, der Tod der Verdächtigen freue sie.

Verhalten der Polizei "absolut inakzeptabel"

Die Anwältin Vrinda Grover hingegen bezeichnete das Vorgehen der Polizei als "absolut inakzeptabel". Gewalttaten müssten "Aufklärung und Strafverfolgung" nach sich ziehen, sagte Grover, keine "Morde". Menschenrechtsaktivisten werfen Polizei und Behörden immer wieder vor, mit außergerichtlichen Tötungen Gerichtsverfahren zu verhindern - oftmals, um die Aufarbeitung eigener Versäumnisse und Fehlverhalten zu verhindern.

Mehrere Politiker und Aktivisten äußerten auch bei diesem Fall große Bedenken. Die Polizisten hätten die Verdächtigen entweder hingerichtet oder sie seien schlicht inkompetent gewesen, schrieb die Südasien-Chefin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Meenakshi Ganguly, auf Twitter. "Um der Wut der Öffentlichkeit über das Versagen des Staates bei sexuellen Übergriffen entgegenzuwirken, machen sich indische Behörden einer erneuten Zuwiderhandlung schuldig." Die frühere Ministerin Maneka Gandhi sagte vor Reportern: "Was passiert ist, ist sehr gefährlich. Man kann nicht einfach Menschen töten, wenn man das möchte. Man kann das Gesetz nicht einfach in die eigenen Hände nehmen." 

Zehntausende Vergewaltigungen im Jahr

Nach den amtlichen indischen Statistiken wurden im Jahr 2017 rund 33.000 Vergewaltigungen in dem Land gemeldet, darunter mehr als 10.000 Vergewaltigungen von Minderjährigen. Nach Angaben von Experten verzichten jedoch viele Opfer auf eine Anzeige. Viele haben offenbar große Angst vor ihren Peinigern: Erst in dieser Woche machte ein Fall  weltweit Schlagzeilen, bei dem fünf Männer ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer auf dem Weg zum Gericht anzündeten. Unter den Tatverdächtigen befänden sich auch zwei ihrer mutmaßlichen Vergewaltiger, heißt es in Presseberichten. Mit schweren Verbrennungen kam die Frau in eine Klinik.

2012 war eine Studentin in einem Bus in Neu Delhi während der Fahrt von mehreren Männern vergewaltigt und so schwer verletzt worden, dass sie starb. Dieser Fall hatte in dem Land zu großer Empörung und schärferen Gesetzen geführt.

Quellen:CNN, BBC

anb AFP DPA

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