Interview "Wir haben das Know-how für sichere Hallen"


Bereits mehrmals sind in der Vergangenheit große Hallen eingestürzt. Ein grundlegendes Statik-Problem besteht bei solchen Konstruktionen jedoch nicht, erläutert der Statik-Professor Michael Kaliske im stern.de-Interview.

Die Eissporthalle in Bad Reichenhall ist nicht die erste große Halle, deren Einsturz für Aufsehen sorgt. Erst vor einem Monat starben in Moskau 14 Menschen, als das Dach einer Schwimmhalle über ihnen zusammenbrach. Einen ähnliche Katastrophe hatte sich bereits zwei Jahre zuvor schon einmal in Moskau ereignet.

Auch in Deutschland sind solche Fälle bekannt: So ist das das Dach einer neu erbauten Sporthalle im schleswig-holsteinischen Halstenbek-Krupunder bereits zweimal eingestürzt. stern.de sprach mit dem Statik-Professor Michael Kaliske darüber, warum große Hallen so oft einstürzen.

In der Vergangenheit sind auffallend oft große Hallen eingestürzt. Woran liegt das?

Es gibt keinen systematischen Fehler, der große Hallen wie die Eissporthalle in Bad Reichenhall zum Einsturz bringt. Die Ursache dieser tragischen Katastrophe wird genau zu untersuchen sein, um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Sicher, solche Hallen sind statisch und bautechnisch sehr anspruchsvoll, aber das Know-how ist vorhanden, sie sicher zu konstruieren und langlebig zu errichten.

Und trotzdem stürzen sie ein?

Solche singulären Katastrophen erhalten viel mediale Aufmerksamkeit. Wenn eine große Halle einstürzt, ist das spektakulär, weil leider viele Menschen betroffen und Opfer zu beklagen sind. Einen Rückschluss auf eine etwaige kritische Standsicherheit weit gespannter Tragwerke lässt dies jedoch nicht zu. Wir haben hier in Deutschland eine Vielzahl von wegweisenden Bauwerken, die über viele Jahrzehnte hinweg völlig unkritisch ihre Funktion erfüllen. Um auch in der Zukunft weiter innovativ und führend in der Bautechnologie mitwirken zu können, ist es erforderlich, Forschung und Entwicklung des Bauens weiter voranzutreiben.

Könnte der Einsturz möglicherweise mit dem Schnee zusammenhängen, der momentan auf den Dächern lastet?

Gerade in Deutschland sind die Sicherheitsvorschriften sehr streng. Es gibt sehr detaillierte Normen und Aussagen zu den Fragen, wie viel Schneelast und Windbelastung das Dach einer Halle aushalten muss. Die Berechnungen berücksichtigen ungünstigste Lastkombinationen, wie sie in der Realität kaum je auftreten könnten: sehr viel Schnee plus sehr viel Wind und ähnliches. Und zusätzlich wird zu diesen Grenzwerten noch ein Sicherheitsfaktor berücksichtigt.

Das heißt, eigentlich dürfte so etwas gar nicht passieren.

Das ist richtig. Meist ergeben sich Probleme aus der Verkettung von verschiedenen ungünstigen Umständen, die für sich genommen jedoch kein Problem darstellen. Insgesamt kann man aber sagen, dass die angesprochenen Einstürze von Hallen auf verschiedenste Ursachen zurückzuführen sind und sich ohne eine genaue Untersuchung keine Aussagen treffen lassen. Da es aber kein grundlegendes statisches Problem gibt, ist ein solcher bedauerlicher Vorfall kein Grund zur Beunruhigung im Allgemeinen.

Michael Kaliske ist Direktor des Instituts für Statik und Dynamik der Tragstrukturen der Universität Leipzig

aun

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