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Seit 1989 alleine: Japaner lebt fast 30 Jahre auf einsamer Insel – nun musste er sie gegen seinen Willen verlassen

Es klingt wie die Geschichte von Robinson Crusoe. Doch anders als dieser hatte sich der Japaner Masafumi Nagasaki ganz freiwillig auf eine verlassene Insel begeben. Glücklich lebte er dort 29 Jahre lang und wollte dort auch sterben. Dieser Traum wurde ihm nun genommen.

Facebook-Screenshot der Kurz-Dokumentation über den Japaner Masafumi Nagasaki

Der Japaner Masafumi Nagasaki hat 29 Jahre auf einer verlassenen Insel gelebt. Dokumentarfilmer Alvaro Cerezo hat ihn vor vier Jahren besucht

Immer mal wieder gibt es Geschichten von Menschen oder Stämmen, die unentdeckt fernab der Zivilisation leben. Selbst 2018 gibt es solche Geschichten noch. Nun macht das Schicksal des 82-jährigen Japaners Masafumi die Runde. Der Mann hatte 29 Jahre allein auf einer verlassenen Insel überlebt. Doch von "überleben" kann eigentlich gar nicht die Rede sein – Nagasaki war nämlich freiwillig dort und genoss sein vermeintlich einsames Leben in vollen Zügen. Bis zu seinem Lebensende wollte er dort bleiben. Doch vor wenigen Wochen endete sein Traum. Japanische Behörden holten den Rentner von der Insel. Dass er nochmal auf die Insel zurückkehren kann, ist unwahrscheinlich.

Dokumentarfilmer hat den einsamen Japaner auf "seiner" Insel besucht

Seit fast 30 Jahren hatte Nagasaki auf der unbewohnten Insel Sotobanari gelebt. Die kleine Insel liegt liegt im äußersten Südwesten Japans im Ostchinesischen Meer. Die Mini-Insel ist knapp 1,5 Quadratkilometer groß. Wie der britische "Guardian" berichtet, ist der 82-Jährige einmal pro Woche auf eine Nachbarinsel gefahren, um dort Grundnahrungsmittel wie Reis zu kaufen. Das Geld dafür habe er von seiner Schwester. Vor vier Jahren hat der Dokumentarfilmer Alvaro Cerezo den Senior auf der Insel besucht. Seine auf Facebook veröffentlichte Kurz-Dokumentation gibt spannende Einblicke in das Leben des "japanischen Robinson Crusoe".

Our new story for 2018 A Japanese man has survived completely alone as a castaway for the last 29 years. His only wish...

Gepostet von Docastaway - Desert Island Experiences am Sonntag, 24. Juni 2018

Darin porträtiert Cerezon einen zufriedenen Mann, der nackt – nur mit einem Turban auf dem Kopf – auf seiner Insel lebt. Neben der Nahrungsbeschaffung gehört auch das Putzen des Strandes zu seiner täglichen Arbeit. Angst vor giftigen Schlangen, die es auf Sotobanari gibt, hat er nicht. Er hatte sogar schon welche in seinem Zelt. "Ich habe herausgefunden, dass Schlangen keine Menschen angreifen. Tiere greifen Menschen nur zum eigenen Überleben an", so der 82-Jährige im Video. Er hat viel von der Natur gelernt. Das einsame Leben auf der Insel prägte ihn. Auf die Frage, ob es ihm weh tue, wenn er Tiere esse, entgegnet der Rentner, dass das anfangs nicht so war. Mittlerweile tue es ihm aber weh – auch deshalb habe er aufgehört, zu fischen.

Feuerzeuge vermisst er am meisten

Er hilft Babyschildkröten ins Wasser. Die Eier der Meerestiere könne er nicht essen. Dafür bewege ihn das Naturschauspiel, wenn die neugeborenen Schildkröten ins Wasser laufen, zu sehr. Masafumi Nagasaki hatte sich ein Leben auf der Insel aufgebaut. Es war sein Leben – so, wie er es leben wollte. Am meisten vermisse er übrigens Feuerzeuge. Das sei die beste zivilisatorische Erfindung. Am wenigsten vermisse er Religion und Geld. Das sei das Schlechteste, was die Zivilisation hervorgebracht habe. Ihm gehe es gut auf der Insel. Das beteuert der Mann im Video, das mittlerweile fast drei Millionen Mal aufgerufen wurde, immer wieder. Ob er Frauen vermisse? Ja, schon. Aber die Frage sei nicht passend für das Leben auf einer einsamen Insel. Ob er schon mal an Suizid gedacht habe? Nein, das sei für ihn keine Option. Er müsse schließlich seine Insel bewachen. Er sei ein Optimist.

Plötzlich ist Nagasaki zurück in der Zivilisation – vermutlich gegen seinen Willen

Vor drei Monaten endet Nagasakis Traum. Was genau passierte, ist nicht ganz klar. Der "Guardian" berichtet, dass der Rentner geschwächt am Strand gelegen habe und deshalb in ein Krankenhaus in Ishigaki gebracht worden sei. Die Rückkehr auf "seine" Insel soll ihm verwehrt worden sein. Auch Dokumentarfilmer Alvaro Cerezo berichtet auf seiner Facebookseite, dass der Inselbewohner seine selbstgewählte Heimat verlassen musste.

A Japanese man has survived completely alone as a castaway for the last 29 years. His only wish was to die on his...

Gepostet von Docastaway - Desert Island Experiences am Mittwoch, 27. Juni 2018

Cerezo hat Nagasaki gefragt, warum er unbedingt auf der einsamen Insel sterben wolle. Er hat geantwortet, dass er niemandem zur Last fallen wolle. Stattdessen wünsche er sich, von einem Taifun getötet zu werden. Dann könne ihn niemand mehr gegen seinen Willen retten. Nun wird der 82-jährige wohl doch "gerettet" werden. Sein persönlicher Traum sah anders aus.

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hh