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Drei Tage nach Entdeckung des Jungen Polizei: Kein Verbrechen im Vermisstenfall Joe – Junge verirrte sich tagelang in unterirdischem Röhrenlabyrinth

Der achtjährige Joe ist vermutlich durch dieses Ablaufrohr in das Oldenburger Kanalsystem gelangt, vermutet die Polizei
Der achtjährige Joe ist vermutlich durch dieses Ablaufrohr in das Oldenburger Kanalsystem gelangt, vermutet die Polizei
© Polizei Oldenburg-Stadt / Ammerland, Martin Remmers / DPA
Die Rettung des kleinen Joe aus einem Gullyschacht in Oldenburg grenzt an ein kleines Wunder. Die Polizei ist sich inzwischen sicher, dass es in dem Fall kein Fremdverschulden gab. Dennoch machte der kleine Junge Unglaubliches durch.

Die Suche nach dem achtjährigen Joe aus Oldenburg hielt in der vergangenen Woche eine ganze Region in Atem. Am vergangenen Samstag dann die erlösende Nachricht: Das Kind wurde gefunden, mehr als eine Woche nach seinem Verschwinden. Ein Spaziergänger hörte aus einem Gully Geräusche und alarmierte die Polizei. Einsatzkräfte entdeckten den kleinen Jungen dann unbekleidet in dem Schacht. Er kam äußerlich unverletzt, aber dehydriert und unterkühlt in ein Krankenhaus (der stern berichtete).

Die Polizei schloss zwischenzeitlich auch ein Verbrechen nicht aus und gründete sogar eine Mordkommission. Sie ging dem Verdacht einer Straftat auch nach der Entdeckung von Joe weiter nach und zog an diesem Mittwoch ihr vorläufiges Fazit: Demnach schließen die Ermittlerinnen und Ermittler ein Fremdverschulden in dem Fall aus.

Joe verlief sich offenbar im Oldenburger Kanalsystem

So seien bei der Absuche des unterirdischen Kanalsystems mit Robotern Kleidungsstücke gefunden worden. Diese seien Joe zuzuordnen. "Nach Auswertung aller Spuren und Hinweise gehen die Beamten nunmehr davon aus, dass Joe am Tag seines Verschwindens durch einen Ablauf in das Regenwasser-Kanalsystem gekrochen ist und dort nach mehreren Metern die Orientierung verloren hat", teilte die Polizei in Oldenburg mit. Zwischen dem Wohnort des Jungen und dem Ort seiner Entdeckung liegen nur rund 300 Meter Luftlinie.

Durch den Einsatz der Roboter konnte die Polizei den Weg des Jungen durch das verzweigte unterirdische Tunnellabyrinth weitgehend rekonstruieren. "Aus Sicht der Polizei ist nun davon auszugehen, dass Joe in dem System mehr und mehr die Orientierung verloren hat und keinen Ausgang mehr finden konnte." Auch eine erste Befragung von Joe stütze diese Annahme, hieß es weiter. "Darüber hinaus liegen den Ermittlern keinerlei Hinweise vor, dass Joe sich während der acht Tage außerhalb dieses Kanalsystems aufgehalten haben könnte."

Der Achtjährige war am Freitag (17. Juni) verschwunden. Noch am selben Abend hatte die Polizei eine erste großangelegte Suchaktionen gestartet. Weil der Junge eine geistige Behinderung hat, wurde befürchtet, dass er die Suche als ein Spiel missverstehen und sich bewusst verstecken könnte. In den folgenden Tagen wurden die Suchaktionen mit immensem Einsatz von Mensch und Material fortgesetzt, auch Freiwillige beteiligten sich. Am vergangenen Donnerstag schien die Hoffnung, Joe noch lebend zu finden, mehr und mehr zu schwinden. Die Polizei rechnete mit dem Schlimmsten und richtete nach einer Zeugenaussage eine Mordkommission ein. Erst am vergangenen Samstag um 6.22 Uhr war die Suche beendet und Joe konnte aus dem Gullyschacht gerettet werden. Polizei und Eltern dankten der Öffentlichkeit für ihre Unterstützung. 

Wie es Joe aktuell geht, ist nicht bekannt. Aus Rücksicht vor dem Jungen und seiner Familie bittet die Polizei, von Fragen zu seinem Gesundheitszustand abzusehen.

Quellen: Polizei Oldenburg-Stadt / Ammerland, Nachrichtenagenturen DPA und AFP


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