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Nach Brand im Waisenhaus: Estland trauert um tote Heimkinder

Bei einem Brand in einem Waisenheim in Estland sind am Sonntag acht Kinder und zwei junge Erwachsene ums Leben gekommen. Alle Heimbewohner waren schwer behindert.

Estland hat am Montag der Opfer des Brandes in einem Heim für behinderte Waisenkinder gedacht. Im ganzen Land waren die Flaggen auf halbmast und mit schwarzen Schleifen versehen, an dem ausgebrannten Gebäude in der Kleinstadt Haapsalu zündeten Trauernde Kerzen an. Die Regierung hatte nach der Tragödie am Sonntag eine eintägige Staatstrauer ausgerufen. Das Feuer war aus bisher ungeklärter Ursache am Nachmittag in dem Heim ausgebrochen und hatte die meisten Bewohner im Schlaf überrascht.

Alle zehn Opfer seien zunächst ins Krankenhaus gebracht worden, wo fünf Kinder sofort für tot erklärt worden seien, sagte der stellvertretende Leiter der örtlichen Klinik, Kai Tennisberg, am Montag. Fünf Kinder seien auf der Intensivstation behandelt worden, doch auch für sie kam jede Hilfe zu spät. Zwei Betreuer wurden ebenfalls im Krankenhaus behandelt, schwebten aber nicht in Lebensgefahr. Nach amtlichen Angaben handelte es sich bei den Toten um acht Kinder zwischen sieben und 16 Jahren sowie zwei 20 und 21 Jahre alte Behinderte, die wegen ihrer hohen Pflegebedürftigkeit noch in dem Heim lebten.

Offensichtlich rettete das Sicherheitssystem in dem Heim viele Kinderleben, denn es trennte das Haus mit Brandschutztüren in drei Bereiche. Die Türen hätten sich beim Feueralarm automatisch geschlossen, sagte Gouverneur Neeme Suur. Nach Angaben der Website des Heims im Nordwesten der Baltenrepublik waren 47 behinderte Kinder dort untergebracht. Die meisten von ihnen seien auf den Rollstuhl angewiesen. 28 Kinder seien Waisen oder ausgesetzt worden, die anderen seien von Eltern, die sich nicht um sie kümmern konnten, ins Heim gegeben worden. Alle Bewohner waren demnach schwer behindert.

Medienberichten zufolge hielten sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in dem einstöckigen Holzgebäude 37 Kinder und neun Erwachsene auf. Die Feuerwehr kam laut offiziellen Angaben drei Minuten, nachdem sie einen Notruf erhielt, und evakuierte das Gebäude. Sie brauchte demnach zwei Stunden, um den Brand unter Kontrolle zu bringen.

AFP/DPA / DPA
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