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KZ auf dem Rücken: Zeitung will Mann mit Nazi-Tattoo identifiziert haben

Dieser Rücken sorgte für viel Aufregung: Ein Mann stellt ein KZ-Tattoo offen zur Schau - und darf dann gehen, ohne dass seine Personalien aufgenommen werden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft. Eine Potsdamer Zeitung glaubt, den Tattoo-Träger identifiziert zu haben.

Ein Mann mit einem Nazi-Tattoo besucht das Spaßbad in Oranienburg

Mit diesem Tattoo zeigte sich ein Mann im Oranienburger Spaßbad - ein Augenzeuge fotografierte ihn

Das Bild verbreitete sich vor wenigen Tagen im Internet: Ein Mann trägt in einem Oranienburger Bad in aller Ruhe sein breitflächiges Rückentattoo spazieren - es zeigt ein Konzentrationslager und darunter den berüchtigten Schriftzug "Jedem das Seine". Der Spruch prangte einst am Eingang des KZ Buchenwald.

Nun glauben die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), den Mann ausfindig gemacht zu haben. Nach Informationen der Zeitung soll es sich um einen Mann Ende 20 handeln, der für die NPD im Kreistag Barnim sitzt und in der Neonazi-Szene kein Unbekannter ist. Auf dem Bauch hat er sich der Zeitung zufolge einen Reichsadler tätowiert. Das deckt sich mit einem Beitrag, den eine Kolumnistin bereits im September für den RBB-Sender Radioeins produziert hatte. Auch ihr war beim Baden ein Mann aufgefallen, der vorne den Adler tätowiert hatte. Und mit Blick auf die Kehrseite bekam auch sie die unschöne Rückenansicht zu sehen: "Ein Schriftzug prangt über dem Arsch des Arsches … Jedem das Seine, steht da. Auf dem Hintern. Daneben ein Stück Stacheldrahtzaun.“

Versäumnisse der Polizei

Der tätowierte Mann war in Oranienburg einem anderen Badegast aufgefallen, der das Foto schoss und die Mitarbeiter informierte. Nach anfänglichem Zögern wurde der mutmaßliche Neonazi schließlich des Bades verwiesen. Das Bild vom KZ-Tattoo machte im Netz die Runde.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. "Wir ermitteln gegen eine namentlich bekannte Person", sagt Lolita Lodenkämper von der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Ob es sich dabei tatsächlich um den von der PNN genannten Mann handelt, wollte die Behörde gegenüber dem stern weder bestätigen noch dementieren.

Vor Aufnahme der Ermittlungen soll es laut PNN Versäumnisse bei der Polizei gegeben haben. Die Beamten in Oranienburg hatten in dem Tattoo offenbar erst keinen Straftatbestand erkennen wollen, die Personalien des Mannes wurden nicht aufgenommen. Erst nachdem ein Journalist nachgefragte, landete der Fall beim Staatsanwalt. Der Staatsschutz nahm daraufhin eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung auf.

car