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Skandal in Oranienburg: Mit Nazi-Tattoo im Schwimmbad

Wo manche Frau das berühmte Arschgeweih trägt, zeigte ein Mann im Schwimmbad in Oranienburg die Tore des Konzentrationslagers Ausschwitz. Das hat zunächst niemanden gestört. Bis ein Foto auf Facebook gepostet wurde. Gegen den Tätowierten läuft nun eine Strafanzeige.

Ein Mann mit einem Nazi-Tattoo besucht das Spaßbad in Oranienburg

Mit diesem Tattoo zeigte sich am Samstag ein Mann im Oranienburger Spaßbad - ein Augenzeuge fotografierte ihn

In Oranienburg bei Berlin hat sich ein junger Mann ganz selbstverständlich mit einem KZ-Tattoo über dem Steißbein gezeigt. Das quer über den unteren Rücken laufende Bild zeigt das Tor von Auschwitz. Darunter hat er sich den Schriftzug "Jedem das Seine" stechen lassen. Der Spruch hat im Dritten Reich die Gefangenen am Eingang des KZ Buchenwald verhöhnt.

Der tätowierte Mann hat sich am vergangenen Samstag mit seinem kleinen Sohn im Spaßbad "Erlebniscity" in Oranienburg vergnügt, als einem anderen Gast das Tattoo auffiel. Er machte ein Foto und teilte es auf Facebook.

Denn im Schwimmbad stieß seine Empörung zuerst auf Unverständnis. Wie die Berliner Zeitung "BZ" berichtet, habe er umgehend einen Bademeister informiert. Doch der habe nur erwidert, dass er dagegen nun auch nichts tun könne. Erst als er einen weiteren Bademeister auf den Mann mit dem Hetz-Tattoo hinwies, wurde dieser des Bades verwiesen.

Tatbestand Volksverhetzung? 

Dass die Tätowierung menschenverachtend ist, ist keine Frage, aber ist sie auch strafbar?  "Nach Paragraph 86a Strafgesetzbuch (StGB) ist das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen strafbar. Der Paragraph verbietet nur, was den demokratischen Rechtsstaat und den politischen Frieden erschüttern kann", sagt Pierre Hauck, Professor für Strafrecht an der Universität Trier auf Nachfrage des stern. "Der Hitlergruß ist demnach natürlich erfasst. Beim Kühnengruß, bei dem nur drei Finger in die Höhe gestreckt werden, taten sich die Gerichte in der Vergangenheit hingegen schon schwerer. "

Der Schriftzug "Jedem das Seine" allein wäre nicht strafbar, aber die Kombination mit dem Tor von Auschwitz in diesem Fall stelle einen eindeutig nazistischen Bezug her, so Hauck weiter. Das Tor von Auschwitz als Tattoo sei eindeutig strafbar. "Der Träger könnte für das Verwenden und Verbreiten der Botschaft - wie beispielsweise das Zurschaustellen im Schwimmbad - nach Paragraph 86a angezeigt werden."

Der Paragraph 130 StGB wiederum - Volksverhetzung - sieht vor, dass Menschen für Schriften und Beschimpfungen zur Rechenschaft gezogen werden, die zur Diskriminierung von Minderheiten beitragen. In diesem Fall, so Hauck, könnten die Richter den Bezug allerdings möglicherweise als zu vage ansehen. Natürlich sei es eine Diskriminierung der Opfer des KZs, doch man könnte die Gruppe für die Tatvariante des § 130 Abs. 1 und 2 StGB nicht eindeutig definieren. Anders als beispielsweise bei der Parole "Juden raus".

Hausverbot und Strafanzeige

"Sollte der Täter sein Tattoo erneut in der Öffentlichkeit zeigen, so könnte ihm nach der ersten Bestrafung noch einmal eine Geldstrafe auferlegt werden, bis es dann möglicherweise zur Freiheitsstrafe kommt", sagt der Jurist. Und auch der Tätowierer müsse möglicherweise mit Strafe rechnen. Wegen Beihilfe, sofern er zum Zeitpunkt des Stechens von der Straftat gewusst und damit vorsätzlich gehandelt habe.

Der Fall ist erst beim Staatsanwalt gelandet, nachdem ein Journalist bei der Brandenburger Polizei nachgefragt habe, ob in diesem Fall eine Straftat vorliege. Daraufhin hätten die Beamten den Fall an den Staatsschutz weitergegeben. Das sagte die Pressestelle der Polizei dem stern. Der Staatsschutz habe daraufhin eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung nach §130 StGB aufgenommen. Mehr Paragraphen seien zu prüfen.

Verurteilung fraglich

Professor Hauck sieht die Chancen für eine Verurteilung allerdings als gering an: "Bei solchen Taten handelt es sich um Vergehen, die die Staatsanwaltschaft auch ganz gern mal wieder einstellt." Zudem seien die Täter natürlich oft szenenangehörig, so dass sie für solche Fälle Anwälte hätten. Ein bisschen Hoffnung gibt es aber doch. Wie der Augenzeuge auf Facebook berichtet, habe der Mann nicht nur das Tattoo auf dem Rücken, sondern gleichzeitig auch noch einen Reichsadler auf seinem Bauch und eine schwarze Sonne auf seinem linken Arm tätowiert. Beides sind typische Nazisymbole. Das Gesamtbild könne belastend sein.

ww