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Neuseeland: Deutscher stürzt 100 Meter tief - und überlebt

Ein junger Deutscher rutscht beim Wandern in Neuseeland ab, stürzt in die Tiefe und bricht sich die Beine. Mit Schnürsenkeln stabilisiert er die Frakturen und robbt das Tal hinab - wo er Hilfe findet.

Ein junger Deutscher hat in Neuseeland einen Sturz über Schnee, Eis und Felsbrocken 100 Meter in die Tiefe mit einem Oberschenkelbruch überlebt. "Ich hatte immer den Fokus: Alles wird gut", sagte Wanja Drees am Montag von seinem Krankenhausbett in Rotorua aus. "Ich bin keiner, der aufgibt." Der angehende Landwirt aus Bönen bei Dortmund macht seit Juli ein Praktikum auf einer Farm mit Milchwirtschaft in Matamata auf der Nordinsel Neuseelands.

Drees hatte am Sonntag einen Ausflug zum höchsten Berg der Nordinsel, dem fast 3000 Meter hohen Vulkan Ruapehu unternommen. In Gipfelnähe sei er auf einem Schotterfeld ausgerutscht und auf ein steiles Schnee- und Eisfeld geschlittert, schilderte der 19-Jährige das Drama. Nach 50 Metern sei er auf einen Felsbrocken geprallt und anschließend weitere 50 Meter gerutscht, ehe er sich mit seinem rechten Fuß abstützen und halten konnte.

Polizei kritisiert fehlende Ausrüstung

Bei dem Sturz verlor der Deutsche sein Handy, wie er weiter berichtete. Niemand habe seine Hilferufe gehört. Er habe die Beine unterhalb des Knies mit Schnürsenkeln zusammengebunden, um den Bruch zu stabilisieren. Eine tiefe Schnittwunde am Oberschenkel habe er mit einem Hemd abgeklemmt und sei auf Ellbogen weiter Richtung Tal gerobbt. Dort hörten zwei Wanderer seine Hilferufe. Sie alarmierten die Bergwacht, die erst Sanitäter zum Unglücksort flog und Drees dann auf einer Trage ins Tal brachte. "Ich stand unter Medikamenten, davon habe ich nichts mitbekommen", sagte der Verunglückte.

Die Polizei kritisierte, der junge Mann aus Nordrhein-Westfalen sei für eine Bergwanderung mit seinen Straßenschuhen nicht richtig ausgestattet gewesen. "Ich hatte feste Schuhe an und wollte ja gar nicht auf den Schnee", meinte er. "Ich bin abgerutscht. Aber ich muss künftig wachsamer sein, wo ich hintrete."

Ärzte setzten dem Deutschen am Sonntagabend einen 44 Zentimeter langen Nagel in den Oberschenkel. Am Montag machte er bereits erste Gehversuche. Er solle noch diese Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die Mediziner verordneten ihm drei Monate Ruhe. Wie es weitergeht, weiß Drees noch nicht. Eigentlich wollte er im Januar auf eine Farm nach Kanada.

mad/DPA / DPA
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