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Verwechslung: Mann erschießt seine Nachbarin, weil er sie für ein Reh hielt

Sie wollte nur kurz mit den Hunden spazieren gehen, doch Rosemary Billquist kehrte nie zurück. Ihr Nachbar hielt sie für ein Reh - und schoss. Es ist nicht das erste Mal, dass es in den USA zu einer solchen tödlichen Verwechslung kommt.

Tödliche Verwechslung im Bundesstaat New York: Die Polizei ermittelt

Tödliche Verwechslung: Im Bundesstaat New York hat ein Mann auf seine Nachbarin geschossen - er habe sie für ein Reh gehalten, sagt er. Die Polizei ermittelt (Symbolfoto)

Es sollte ein gemütliches Thanksgiving-Fest werden, doch stattdessen plant Jamie Billquist nun die Beerdigung seiner Frau. Vergangenen Mittwoch kam sie um 17 Uhr von der Arbeit nach Hause. Vor ihr lag ein langes – Thanksgiving. Zusammen mit ihrem Ehemann wollte sie es feiern und an einer ihrer Lieblings-Traditionen, dem "Turkey Trot", teilnehmen, einem Spaßrennen, um vor dem fetten Thanksgiving-Essen noch ein paar Kalorien abzulaufen. Laufen war Rosemary Billquists Leidenschaft.

Daher legte sie auch nach einem langen Arbeitstag nicht die Beine hoch, sondern drehte noch eine Runde mit den Hunden Stella und Sugar in die Feldmark hinter ihrem Haus in Sherman, einem kleinen Ort im Bundesstaat New York. Ihr Mann Jamie Billquist blieb zuhause, sah fern, wie "The Buffalo News" auf ihrer Website berichtet. Alles soweit nicht ungewöhnlich. Bis die beiden Hunde laut bellend alleine nach Hause kamen. Von der 43-jährigen Rosemary fehlte jede Spur.

New York: Mann hielt Nachbarin für ein Reh

Jaime Billquist bekam Panik, versuchte seine Frau auf dem Handy zu erreichten. Ohne Erfolg. "Ich dachte, dass ihr etwas passiert sein könnte. Vielleicht war sie ja gestürzt", sagte Jaime Billquist der "Washington Post". Nur Momente später schienen seine Befürchtungen wahr zu werden. Rettungswagen erschienen vor dem Haus. Es sei auf jemanden geschossen worden, sagte ein befreundeter Rettungssanitäter. Das Opfer: Rosemary.

Der Nachbar der Billquists, Thomas J., hatte sie für ein Reh gehalten und aus knapp 200 Meter Entfernung auf sie geschossen. Ein einziger Schuss. Ein Schrei. Da habe er begriffen, dass er gerade auf eine Person geschossen hatte, wie die Polizei mitteilte. Der 34-Jährige sei sofort los gerannt, um erste Hilfe zu leisten. Er habe die Wunde zugehalten, bis die Rettungskräfte eintrafen. Doch es half nichts. Im Krankenhaus konnten die Ärzte nur noch Rosemary Tod feststellen. Die Kugel sei in ihre Hüfte eingedrungen und aus ihrem Rücken wieder ausgetreten, berichtet ihr Mann. "Es war entsetzlich und es wird mich bis ans Ende meines Lebens verfolgen", sagte er. "Es hat zwei Leben zerstört."

Nach Sonnenuntergang ist die Jagd auf Rehe verboten

J. sitzt in Untersuchungshaft und hat angegeben, mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren. Ein Gericht muss nun entscheiden, ob er mit einer Strafanzeige rechnen muss. Laut Polizeiangaben hätten die bisherigen Ermittlungen nämlich ergeben, dass J. nach Sonnenuntergang schoss. Ab diesem Zeitpunkt ist es verboten, Rehe zu jagen.

In den USA machen immer wieder tödliche Unfälle durch Schusswaffen von sich Reden. So wurde vor fünf Jahren ein 33-Jähriger in Stockton kurz nach Sonnenuntergang von seinem eigenen Vater erschossen. Der alte Herr hatte seinen Sohn ebenfalls mit einem Reh verwechselt, während dieser in 100 Meter Entfernung, ein zuvor geschossenes Reh ausweidete.

"Ich glaube, er musste seine Lektion lernen", sagt Jamie Billquist über seinen Nachbarn. "Es gibt Regeln. Die sollte man befolgen. Es ist furchtbar. Das war eine zwei Sekunden-Entscheidung, die er für den Rest seines Lebens bereuen wird."

tyr