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Franziskus I. im Big Apple: "Himmlischer" Papst zieht die Bewohner New Yorks in seinen Bann

So richtig religiös ist New York ja nicht. Aber jetzt war es kurze Zeit völlig verrückt nach einem Mann, der eigentlich ziemlich untypische Werte für die Stadt predigt, die bekanntlich "niemals schläft".

Ein Haufen T-Shirts mit dem Konterfei von Papst Franziskus I.

T-Shirts und andere Souvenirs mit dem Konterfei des Papstes finden während des US-Aufenthalts von Franziskus I. reißenden Absatz.

"Zehn Dollar das T-Shirt, zehn die Baseballmütze und fünf der Aufkleber", sagt Cleveland Dingle. Die ältere Dame überlegt, schließlich nimmt sie zwei T-Shirts. "Da ist schließlich er drauf", sagt sie - und "er" ist der Papst. Gerade einen ganzen Tag war Franziskus in der Stadt, aber der Tag war prall gefüllt. Und die New Yorker, scheint es, sind frisch verliebt.

"Himmlisch", titelte das Boulevardblatt "New York Post", "der Papst nimmt New York im Sturm". Da hatte der 78-Jährige gerade eine Messe in der St.-Patricks-Kathedrale an der teuren Fifth Avenue hinter sich gebracht. Das Wichtigere folgte in den Vereinten Nationen, als Franziskus Staats- und Regierungschefs aus den 193 UN-Staaten zu weniger Gier nach Macht und mehr Demut vor der Natur, inklusive des Menschen, mahnte. Dann noch ein Friedensgebet am Ground Zero und ein Besuch des Central Parks - das war schon ziemlich viel New York. 

Doch der Höhepunkt war eine Eucharistiefeier im Madison Square Garden. Da, wo vor 44 Jahren Joe Frazier im "Kampf des Jahrhunderts" Muhammad Ali besiegte; da, wo vor 21 Jahren Gangster-Rapper Notorious B.I.G. "Ready to Die" sang, da wo die deutsche Band Rammstein vor fünf Jahren von Hass grölte - da predigte Franziskus jetzt von Liebe. Und von Licht: "Das Volk, das mitten im Smog wandelt, atmet, lebt, es sieht ein helles Licht, erfährt frische Luft."

Zehntausende jubeln dem Papst zu

Das klang nun wirklich nach New York und Franziskus kam seinen Gastgebern sogar noch näher: "Leben in einer großen Stadt ist nicht immer leicht", sagte er, und: "Großstädte weisen uns jedoch auf die verborgenen Schätze in unserer Welt hin: auf die Verschiedenheit der Kulturen, Traditionen und historischen Erfahrungen; auf die Vielfalt der Sprachen, Kleider, Speisen." Aber es gebe auch "die Menschen, die im Dunkel stehen", Menschen ohne Krankenversicherung, Obdach, Bildung oder einsame Alte. Aber: Gott lebe in unseren Städten und die Kirche sei auch da - "und möchte wie Hefe im Teig sein".

Etwa 20.000 Menschen jubelten den Papst zu - mehr passten schlicht nicht rein. Unter ihnen war Eva Vargas. "Das ist der wunderbarste Augenblick meines Lebens", sagte die New Yorkerin. "Es verschlägt mir den Atem und ich kann es noch nicht glauben. Es ist der Papst. Der Papst!" Schnell fügt sie "Seine Heiligkeit!" hinzu, als hätte sie sich selbst dabei ertappt, respektlos gegenüber dem Gast zu sein - dem doch das alles nicht so wichtig zu sein scheint.

So kam er auch bei Gary Nyesmith an, der draußen den Papst einfach mal sehen wollte. "Ich warte schon seit einer Stunde und wollte eigentlich nach Hause. Dann habe ich mir gesagt, hey, der Papst ist in der Stadt. In meiner Stadt! Vielleicht kann ich ihn sehen. Und das Lustigste: Ich bin nicht einmal katholisch!"

Das ist Cleveland Dingle auch nicht, der weiter seine Baseballmützen und Aufkleber verkauft. "Die T-Shirts gehen am besten" sagt er. Und am nächsten Tag? Wenn der Papst weg ist, muss er dann die Preise senken? "Kommt nicht in Frage", sagt er, "dann sind das hier schließlich alles Sammlerstücke!"

lst/ DPA
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?