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Sabotageakt nicht ausgeschlossen: Schweres Zugunglück in Indien

Knapp zwei Monate nach einem schweren Zugunglück mit über 100 Toten sind in Indien erneut beim Zusammenprall zweier Züge mindestens 61 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 125 weitere wurden verletzt, als ein Schnellzug in der Nacht zum Montag in eine Regionalbahn raste, die gerade den Bahnhof Sainthia rund 200 Kilometer nördlich von Kalkutta verlassen wollte.

Knapp zwei Monate nach einem schweren Zugunglück mit über 100 Toten sind in Indien erneut beim Zusammenprall zweier Züge mindestens 61 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 125 weitere wurden verletzt, als ein Schnellzug in der Nacht zum Montag in eine Regionalbahn raste, die gerade den Bahnhof Sainthia rund 200 Kilometer nördlich von Kalkutta verlassen wollte. Eisenbahn-Ministerin Mamata Banerjee kündigte eine Untersuchung des Unfalls im Unionsstaat West-Bengalen in Ostindien an. Sie schloß einen Sabotageakt nicht aus.

"Wir haben ein paar Zweifel" ob es ein Unfall war, sagte Banerjee. Erst Ende Mai war nach einem Anschlag auf eine Bahnstrecke in West-Bengalen ein Zug entgleist, 145 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Behörden machten maoistische Rebellen für den Anschlag verantwortlich.

Bei dem Zusammenstoß um 02.00 Uhr in der Nacht zum Montag kamen auch die beiden Lokführer des Schnellzugs ums Leben. Insgesamt bargen Rettungskräfte 61 Leichen aus den zerquetschten Wagen, wie Polizeisprecher Surajit Kar Purkayastha mitteilte. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass das Dach eines Wagens auf die Fußgängerüberführung über den Gleisen geschleudert wurde. Zwei Personenwagen und ein Gepäckwagen wurden vollständig zerstört. Die Rettungsarbeiten gingen mit allen Kräften voran, sagte ein Sprecher der Eisenbahn. Bis zum Nachmittag sei die Bergung beinahe vollständig abgeschlossen gewesen.

Die meisten Opfer wurden offenbar im Schlaf von dem Unglück überrascht. "Ich fühlte einen gewaltigen Ruck und einen lauten Krach, und dann hielt der Zug auf einmal an", sagte einer der Überlebenden, Lakshman Bhaumik, einem örtlichen Fernsehsender. Der 20-jährige Mithun Ahato erzählte, dass er durch den Aufprall geweckt wurde. "Drei oder vier Passagiere fielen auf mich und mein rechtes Bein brach. Ich lag lange unter den Leichen. Mindestens drei meiner Sitznachbarn starben."

Andere Augenzeugen warfen den Rettungskräften vor, erst Stunden nach dem Unfall am Unglücksort eingetroffen zu sein: "Viele Stunden lang haben nur die Anwohner geholfen, und das war ohne Ausrüstung sehr schwierig", sagte ein nicht näher identifizierter Mann dem Fernsehsender NDTV. Die Polizei erklärte dagegen, die Rettungskräfte seien binnen einer Stunde eingetroffen.

Das indische Eisenbahnnetz ist eines der größten der Welt. Die meisten Unfälle sind auf veraltete Technik, überfüllte Wagen und menschliches Versagen zurückzuführen. Im Januar kam es zu Unfällen mit Dutzenden Toten wegen schlechter Sicht in dichtem Nebel. Bei anderen Unglücken mit Todesfolge gaben marode Bahnbrücken nach.

APN / APN