Schiffskatastrophe Überlebende berichten von einem Brand

Nach der Schiffskatastrophe im Roten Meer haben Überlebende von einem Brand und Explosionen auf der Fähre berichtet. Verkehrsminister Mohammed Lutfi Mansur bestätigte einen "kleinen Brand". Es müsse noch geklärt werden, ob dieser Auslöser des Unglücks gewesen sei.

Nach dem Untergang der Fähre mit mehr als 1.400 Menschen an Bord wurden bis Samstag nach Polizeiangaben 435 Überlebende gerettet. 185 Leichen wurden geborgen. Überlebende, die am Samstagmorgen im ägyptischen Hafen Hurghada eintrafen, berichteten, das Feuer auf der 35 Jahre alten "Al-Salaam Bocaccio 98" sei ein bis zwei Stunden nach der Abfahrt in Saudi-Arabien ausgebrochen. Dennoch habe die Schiffsleitung entschieden, die Fahrt fortzusetzen. "Das ist Fahrlässigkeit", kritisierte Nabil Sikri.

Besatzung ignorierte den Brand

Ein anderer Überlebender berichtete, der Brand sei auf dem Autodeck ausgebrochen. "Wir forderten die Mannschaft auf: Lasst uns umkehren, lasst uns um Hilfe rufen", sagte Ahmed Abdel Wahab. Die Besatzung habe jedoch erklärt, es sei alles unter Kontrolle. "Nach einer Weile bekam das Schiff Schlagseite, und sie konnten das Feuer nicht mehr im Griff halten. Dann hörten wir Explosionen, und fünf Minuten später sank das Schiff."

Über den Ursprung des Feuers gab es unterschiedliche Angaben. Einige berichteten, der Brand sei in einem Laderaum ausgebrochen, andere sagten, es habe sich von einem Maschinenraum aus ausgebreitet. Die Fähre sank offenbar sehr schnell. Ein Hilferuf wurde nicht registriert. "Es war, als ob die 'Titanic' in Flammen steht", rief ein Überlebender den Journalisten zu, als er in Hurghada an Land gebracht wurde. Ein Sprecher des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak sagte, an Bord der "Al-Salaam Bocaccio 98" seien nicht genügend Rettungsboote gewesen. "Das schnelle Sinken und die nicht ausreichende Zahl von Rettungsbooten legen nahe, dass es Verstöße gegeben haben könnte", sagte Sprecher Suleiman Awad der ägyptischen Nachrichtenagentur MENA.

Die Fähre sank in der Nacht zum Freitag auf dem Weg von Dubah in Saudi-Arabien nach Safaga in Ägypten. In der Nacht herrschte stürmisches Wetter; an der saudiarabischen Küste tobte zudem ein Sandsturm. An Bord waren 1.200 Ägypter, 112 Passagiere anderer Nationen und 96 Besatzungsmitglieder.

Im Hafen von Sagafa warteten hunderte Menschen auf Nachricht über das Schicksal ihrer Angehörigen. "Keiner sagt uns etwas", schimpfte Schaaban al Kott, der nach seinem Cousin fragte. "Ich will nur wissen, ob er tot ist oder lebt." Sicherheitskräfte hielten die Menge zurück. Namenslisten der Überlebenden gab es zunächst nicht. Präsident Mubarak flog am Samstag nach Hurghada nördlich von Sagafa, wo er Verletzte in Krankenhäusern besuchte. Er wurde von Ministerpräsident Ahmed Nasif und vier weiteren Ministern begleitet. Die EU bot den Opfern der Schiffskatastrophe Hilfe an. Das Mitgefühl Europas sei bei den Betroffenen, erklärte die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik für die EU-Präsidentschaft.

Mariam Fam/AP


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