HOME

Tod des "blauen Mädchen" löst Proteste aus: Sie durfte nicht ins Fußballstadion: Iranerin stirbt nach Protestaktion

Eine junge Frau ist nach einer Protestaktion gegen das Stadionverbot für Frauen im Iran gestorben. Sie war zuvor von der Polizei festgenommen worden, weil sie heimlich ein Fußballspiel besuchen wollte.


Seit der Islamischen Revolution 1979 ist es iranischen Frauen verboten, Fußballstadien zu besuchen.

Seit der Islamischen Revolution 1979 ist es iranischen Frauen verboten, Fußballstadien zu besuchen.

Getty Images

Eine junge Iranerin, ist nach einer Protestaktion gegen das Stadionverbot für Frauen im Iran gestorben. Sie hatte sich in der vergangenen Woche die Verletzungen selbst zugefügt. Am Montagabend erlag sie im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen, wie iranische Medien berichteten. Die Frau war von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie versucht hatte, bei einem Spiel von Esteghlal Teheran in Asiens Champions League ins Stadion zu gelangen. 

Irans Stadionverbot für Frauen gilt seit fast 40 Jahren

Im Iran ist Frauen der Besuch von Fußballspielen im Stadion untersagt. Vom Gericht wurde sie zudem wegen Beamtenbeleidigung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Aus Protest gegen die Verurteilung beging die junge Frau Suizid. Ihr Tod führte zu einer Protestwelle der Iraner in den sozialen Netzwerken gegen Polizei und Justiz. 

Auch international schlägt ihr Tod hohe Wellen. Hedvig Lindhal, Schwedens Nationaltorhüterin, veröffentlichte ein Bild, das schwedische und iranische Fußballerinnen beim gemeinsamen Abendessen zeigt. Der FC Esteghlal repostete das Foto und kommentierte dieses mit harscher Kritik an den Medien, die den Fall "boykottiert" haben sollen. 

Auch bei Twitter finden sich zahlreiche Tweets, die unter dem Hashtag #bluegirl auf den Vorfall in Teheran aufmerksam machen. 

Fifa droht mit Disqualifikation 

Das Stadionverbot für Frauen sorgt schon seit vier Jahrzehnten für Diskussionen im Iran. Obwohl auch Präsident Hassan Ruhani gegen das Verbot ist, konnte er sich bis jetzt nicht gegen den erzkonservativen Klerus des Landes durchsetzen. Zuletzt gab es Berichte über hohe Haftstrafen für sechs Frauen, die sich - als Männer verkleidet - ins Asadi-Stadion geschlichen hatten. Eine der Frauen, eine Journalistin, habe sie dabei auch fotografiert. Zwar wurden alle auf Kaution wieder freigelassen, aber die hohen Haftstrafen wurden im Iran als Einschüchterung bewertet.

Viele Iraner fordern von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die iranische Nationalmannschaft wegen der Diskriminierung der Frauen im Land für die WM 2022 in Katar zu disqualifizieren.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

amm / DPA
Themen in diesem Artikel