Stadtarchiv-Einsturz in Köln Fehlerhafte Betonarbeiten beim U-Bahn-Bau


In der Kölner U-Bahn-Affäre gibt es neue Berichte über Pfusch am Bau. Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" könnten fehlerhafte Betonarbeiten Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten gewesen sein.

In der Kölner U-Bahn-Affäre gibt es neue Berichte über Pfusch am Bau. Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" könnten fehlerhafte Betonarbeiten Ursache für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs mit zwei Toten gewesen sein. Nach Informationen der Zeitung sollen Werte eines Vermessungsprotokolls für einen 3,40 Meter breiten Wandabschnitt sowie das Betonierungsprotokoll verfälscht worden sein.

In dem rechtlich vorgeschriebenen Papier, das dokumentiere, ob ausreichend Beton eingefüllt worden sei, seien Zahlen vertauscht worden. Vermutlich sei zu wenig Beton verarbeitet worden, hieß es. Die Gutachter der Staatsanwaltschaft vermuteten demnach ein Leck in der unmittelbar vor dem ehemaligen Archiv eingebauten Lamelle 11, durch welches Grundwasser in die Baugrube strömte, was schließlich zum Einsturz am 3. März 2009 geführt haben könnte. Die Kölner Staatsanwaltschaft war dazu am Samstag zunächst nicht zu erreichen.

Im Fall des mutmaßlich großangelegten Stahl-Diebstahls beim U-Bahn-Bau verlangt der nordrhein-westfälische Bau- und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) rasche Aufklärung. "Die offensichtlich hochkriminellen Vorgänge müssen dringend aufgeklärt werden", sagte er der "Rheinischen Post". Es sei richtig, dass die Staatsanwaltschaft Köln diese schwerwiegenden Straftaten mit Hochdruck verfolge.

Nun liege es in erster Linie in der Verantwortung des Bauherrn, der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), und der Stadt Köln, die Sicherheit der Bürger beim Rosenmontagszug und auf U-Bahnfahrten zu gewährleisten. Der CDU-Politiker betonte, er erwarte, dass die Entscheidungen des Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) "ausschließlich von der Sorge um die Sicherheit der Menschen bestimmt sind".

Die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ende Januar gegen zwei Bauverantwortliche des Kölner U-Bahn-Baus ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung eingeleitet. Sie sollen auf Weisung eines Poliers Eisenbügel gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft haben, statt sie in die Außenwände des Bahn-Schachts nahe des Historischen Stadtarchivs einzubauen. Als Ursache für den Einsturz des Gebäudes am 3. März vergangenen Jahres gilt dieser Pfusch am Bau nach Angaben der Ermittler aber nicht.

Laut Stadt besteht derzeit keine Gefahr, dass Gruben kollabieren und angrenzende Häuser ähnlich wie beim Einsturz des Stadtarchivs vor knapp einem Jahr mit in die Tiefe reißen könnten. Der Rosenmontagszug soll wie geplant stattfinden.

Bei dem Einsturz des Stadtarchivs starben zwei Menschen; zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe und Fotos wurden verschüttet. Die Stadt bezifferte den Gesamtschaden auf mindestens eine halbe Milliarde Euro.

APN APN

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