HOME

Tankerunglück: ENA 2-Bergung geglückt

Der im Hamburger Hafen havarierte Schwefelsäure-Tanker ist geborgen. Nach fünf Tagen kann das Schiff nun in die Werft gebracht werden. Die ENA 2 hat bei dem Unglück vermutlich die gesamte Ladung verloren.

Knapp eine Woche nach der Havarie des Schwefelsäure-Tankers ENA 2 im Hamburger Hafen ist die Bergung des Unglücksschiffs gelungen. Zwei Schwimmkräne drehten das kieloben schwimmende Schiff am Samstag um. Laut Feuerwehr verlief die Aktion, bei der die Gefahr eines Auseinanderbrechens des 64 Meter langen Tankers bestand, problemlos. Nach Angaben des Eigners Norddeutsche Affinerie sind inzwischen vermutlich die gesamten 960 Tonnen Schwefelsäure ausgelaufen. Sie stellen aber laut Greenpeace keine Gefahr für das Hafenbecken dar.

In den vier Tanks hatte sich aber ein hochexplosives Wasserstoff-Gasgemisch gebildet, das durch Einfüllen von Stickstoff abgelassen wurde. Nach der Aufrichtung des Tankers prüften Experten, ob noch Explosionsgefahr besteht. Der Chemietanker wird voraussichtlich am Montag auf eine Hamburger Werft geschleppt.

Kapitän drohen bis zu fünf Jahre Haft

Die ENA 2 war am vergangenen Montag im Hamburger Hafen nach der Kollision mit einem Containerschiff gesunken. Der Kapitän hatte zum Zeitpunkt des Unglücks einen Alkoholwert von 2,1 Promille. Ihm drohen fünf Jahre Haft oder eine hohe Geldstrafe wegen Gefährdung der Schifffahrt.

Greenpeace-Experte Christian Bussau sagte, das Hafenbecken werde sich wahrscheinlich schon in einigen Monaten von der Havarie erholt haben. Langfristige Folgen seien nicht zu erwarten. Der Austritt der Säure hatte allerdings im Petroleumhafen ein großes Fischsterben verursacht.

Politiker fordern mehr Alkoholkontrollen bei Kapitänen

Nach Angaben der zuständigen Wasser- und Schifffahrts-Direktion Nord in Kiel wird der Kapitän des Unglücksschiffs sein Patent auf Lebenszeit verlieren. Der Justiziar der Behörde, Jochen Hinz, wurde im "Hamburger Abendblatt" mit den Worten zitiert: "Bei einem Promillegehalt von 2,1, und das auf einem Gefahrgut-Tanker, ist das keine Frage."

Verkehrspolitiker forderten verschärfte Alkoholkontrollen bei Kapitänen. "Es ist unverantwortlich, dass ein Kapitän bis zu 0,8 Promille Alkohol im Blut haben darf, während im Straßenverkehr die Schwelle bei 0,5 Promille liegt", sagte Rainder Steenblock (Grüne) der "Berliner Zeitung". Wie im Flugverkehr müsse es ein absolutes Alkoholverbot, das heißt 0,0 Promille, geben.

Zugleich plädierte der Bundestagsabgeordnete für verdachtsunabhängige Kontrollen, die derzeit nicht möglich seien. Auch die Reeder müssten das Problem erkennen. Zu häufig würden Fälle bekannt, in denen betrunkene Kapitäne trotz Unfällen auf anderen Schiffen weiter fahren dürften.

Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer kritisierte in der Zeitung, dass die Polizei beim ersten Vorfall nicht eingeschaltet wurde und dieser rein "innerbetrieblich" geregelt wurde. Auch er mahnte stichprobenartige Kontrollen der Kapitäne an.

DPA / DPA