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Video-Dokument: Der Polizist, der nicht schoss: Wie ein Beamter den blutigen Tag in Toronto unblutig beendete

An diese Szene wird man sich erinnern. Nach der Todesfahrt von Toronto standen sie sich direkt gegenüber: der Täter und ein Polizist. Doch das, womit alle gerechnet hatten, geschah nicht.


Es war eine klassischer Showdown, allerdings mit ungewöhnlichem Ende: Nachdem der mutmaßliche Todesfahrer von mit seinem Lieferwagen zum Stehen gekommen war, stieg er aus dem Fahrzeug. Mit ausgestrecktem Arm zielte er auf einen Mann in Uniform, der ihm leicht geduckt auf der leeren Straße gegenüberstand. Der Polizist hatte seine Waffe im Anschlag. Wohl jeder, der die Szene beobachtete, wartete nun auf den Knall, den Schuss, der das Leben des Amokfahrers beenden würde. Doch dieser Schuss fiel nicht.

Dann rief der Mann: "Töte mich!" Doch der Polizist entgegnete nur: "Hinlegen! Runter oder ich schieße auf dich!" "Schieß mir in den Kopf!" Der Mann ging auf den Polizisten zu, der Beamte wich zurück. Immer noch streckte der mutmaßliche Täter seinen Arm aus, ging weiter auf den Polizisten zu. Der wich zunächst leicht aus und bewegte sich plötzlich recht entschlossen auf den ganz in schwarz gekleideten Mann zu. Der wich auf einmal zurück, ließ seine mutmaßliche Waffe fallen, ging auf dem Gehweg in die Knie und ließ sich schließlich festnehmen. Eine Ende ohne weiteres Blutvergießen an einem Tag mit vielen Toten und Verletzten.

Toronto: Polizist erkennt die Lage schnell

Das alles ist dokumentiert in Videos, die über die sozialen Medien um die Welt gingen. Der Beamte erntet für sein besonnenes Handeln gleichermaßen Erstaunen und Bewunderung. Sein Vorgesetzter, der Polizeichef von Toronto, lobte ihn für seinen Einsatz ausdrücklich. "Durch sein Training hat der Polizist fantastische Arbeit geleistet", zitierte der US-Sender CNN Mark Saunders. Bei der Festnahme habe der Polizist die Lage schnell begriffen und so eine "friedliche Lösung" erreicht, sagte Saunders. "Die Polizisten hier lernen, so wenig Gewalt wie möglich anzuwenden."

Doch warum ist der Beamte in dieser gefährlichen Situation das Risiko eingegangen, selbst getötet zu werden? Wohl jeder hätte Verständnis gehabt, wenn er auf den mutmaßlichen Täter, dessen Name mit Alek Minassian angegeben wird, nach dessen schrecklicher Tat geschossen hätte. Die Antwort liegt vielleicht in einem Hinweis von Polizeichef , wonach der Angreifer gar keine Schusswaffe bei sich gehabt haben soll. Welchen Gegenstand er bei seiner Festnahme in der Hand hielt und auf dem Gehweg fallen ließ, werde noch untersucht.


dho mit / DPA
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