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Überflutungen: Das Wasser kommt zurück – Venedig in Angst vor neuer Zerstörung

Die Lagunenstadt kommt nicht zur Ruhe: Am Freitag sollen die Fluten in Venedig noch einmal deutlich steigen. Von der Wetterfront gibt es auch nichts Positives. Und dann tobt auch noch ein Streit über das Flutschutzsystem.

Markusplatz unter Wasser: Hochwasser in Venedig: "So wie jetzt war es noch nie"

Der Markusplatz unter Wasser, herrenlose Boote in den Gassen der Stadt, hinfortgespültes Mobiliar: Die Lage war Mitte der Woche in Venedig extrem angespannt. Ein rekordverdächtiges Hochwasser hatte nach Angaben des Regionspräsidenten für "apokalyptische Zerstörungen" gesorgt. 1,87 Meter über dem Meeresspiegel stand das Wasser – der höchste Wert seit 1966.

Zwar ging die Überflutung seitdem zurück – doch angetrieben von starken Winden und nach heftigen Regenfällen befürchten die Behörden neue Schäden. Bis Freitagmittag wird mit einem Pegelhöchststand von 1,60 gerechnet, wie die Kommune Venedig twitterte. Die Schulen sollen geschlossen bleiben, der Dogenpalast schließt ebenfalls. Der öffentliche Verkehr wurde eingestellt. 

Der Markusplatz in Venedig sieht aus wie ein See

Der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, sprach von einem "weiteren Tag des Alarms". Auf Twitter postete er ein Video, das ihn am Freitagmorgen auf dem vollständig gefluteten Markusplatz zeigte. Dass sich unter den Wassermassen tatsächlich Asphalt befindet, schien angesichts der Bilder fast unglaublich. 

Die Unesco-Welterbestadt wurde in dieser Woche vom schwersten Hochwasser seit Jahrzehnten heimgesucht. Mehr als 80 Prozent der historischen Stadt stehen unter Wasser. Besserung ist nicht in Sicht: Im ganzen Norden Italiens, aber auch in anderen Landesteilen werden für die nächsten Tage weiter heftige Niederschläge erwartet. Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht abzusehen. 

Urlauber sagten Reisen nach Venedig ab

Am Donnerstag hatte die italienische Regierung den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Privatleute können mit Soforthilfen von 5000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen.

Wegen der Überschwemmungen gab es laut Hotelverband Federalberghi Veneto bereits viele Absagen von Urlaubern. Mancherorts war der Unterschied zwischen Straßen und Meer aufgrund der Wassermassen nicht mehr zu erkennen. 

Welche Schuld trägt der fehlende Flutschutz?

Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel steigen lässt. In der Stadt ist ein Streit über den mangelnden Flutschutz entbrannt.

Ein Milliarden-Projekt mit dem Namen "Mose" - kurz für "Modulo Sperimentale Elettromeccanico" - sollte eigentlich schon 2014 in Betrieb gehen. Ein Korruptionsskandal verzögerte das umstrittene Flutschutzprojekt. Auch gibt es seit jeher Kritik, dass ein Eingriff in das sensible Ökosystem der Lagune mehr schade als nutze. Viele Einwohner halten von dem Projekt gar nichts und attackieren die Regierung deswegen heftig. 

Nach den Bildern der Zerstörung beeilten sich Politiker zu versichern, dass das Projekt nächstes Jahr fertig werde. "In den letzten Jahren gab es viele Skandale. Es gab schwere Verzögerungen", gestand Infrastrukturministerin Paola De Micheli in einem Radiointerview ein. Jetzt seien aber bereits 93 Prozent fertiggestellt. 

Übernächste Woche soll zudem eine Sonderkommission über die "Probleme Venedigs" beraten, wie Ministerpräsident Giuseppe Conte bei einem Besuch in der überschwemmten Stadt ankündigte. Dabei soll es seinen Angaben zufolge auch um ein geplantes Anlegeverbot für große Kreuzfahrtschiffe gehen.

mik / DPA / AFP