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Spezielles Verhalten Warum Katzen die Nähe von Menschen suchen, die keine Katzen mögen

Eine schwarz-weiße langhaarige Katze mit ernstem Blick
Für manche Katzen sind Menschen, die keine Katzen mögen, höchst interessant
© Gottfried Czepluch / Imago Images
Manche Menschen haben Angst vor Katzen oder sie mögen die Tiere nicht. Doch ausgerechnet solche Personen finden die Vierbeiner höchst interessant – aus einem einfachen Grund.

Der Kater aus meiner Kindheit war generell tiefenentspannt. Meist lag er in seinem Schaukelstuhl und döste, von Besuch nahm er kaum Notiz.

Kein Problem also für unsere Nachbarin mit Katzen-Phobie, die sich eines Nachmittags bei meiner Mutter zum Kaffeekränzchen angesagt hatte. Der Kater würde die Frau gar nicht beachten.

Dachten wir. Bis sich der stattliche schwarze Bursche mitten in der Damen-Kaffeerunde aus seinem Schaukelstuhl bequemte, eine bestimmte Person ansteuerte und ihr auf dem Schoß hüpfte. Es war jene Nachbarin, die Angst vor Katzen hatte.

Katzen suchen sich den Menschen heraus, den sie nicht einschätzen können

Das damals aus unserer Sicht peinliche Verhalten unseres Haustiers war – im Nachhinein betrachtet – erwartbar. Es kommt oft vor, dass Katzen sich genau zu jenen Menschen hingezogen fühlen, die nichts mit den Tieren zu tun haben wollen.

Ratschläge, wie man sich verhalten soll, um das Herz von Katzen zu gewinnen, gibt es viele. Einer davon ist, den Tieren gegenüber nicht zu aufdringlich zu sein und sie entscheiden zu lassen, ob sie Kontakt haben wollen oder nicht. Forscher fanden sogar heraus, dass ausgerechnet erklärte Katzenfreundinnen und -freunde oft vieles falsch machen im Umgang mit den eigenwilligen Tieren.

Doch was tun, wenn man den Kontakt mit einer Katze vermeiden möchte? Und warum suchen sich die Tiere oftmals genau die Personen für Sympathiebekundungen aus, von denen sie nicht gemocht werden?

Der Biologe Dennis C. Turner erklärt das Verhalten im Gespräch mit dem stern am Beispiel einer Gruppe von Personen, die zusammen mit einer Katze in einem Raum ist, so: "Menschen, die Katzen mögen, zeigen es deutlich", sagt der Schweiz-Amerikaner, der unter anderem die Beziehung von Menschen zu Hauskatzen erforscht hat. "Sie suchen beispielsweise Kontakt mit dem Tier oder wollen es streicheln."

Personen mit Angst strahlten solche Signale jedoch nicht aus. Verwirrend für das Tier. "Die Katze muss feststellen – was ist mit dieser Person?", erklärt Turner. "Deshalb forciert sie den Kontakt."

Dass Katzen aus einer Gruppe von Menschen genau solche Personen für Annäherungsversuche auswählen, die davon lieber verschont bleiben würden, sei ein bekanntes Phänomen, bestätigt der Wissenschaftler. Das sei ganz typisch für die Tiere.

Übersetzt in die Zeit des in unserer Familie legendären Kaffeekränzchens hätte das wohl bedeutet, den Kater gar nicht erst ins Wohnzimmer zu lassen. Dann hätte er nicht erforschen wollen, was denn mit der Frau mit Katzen-Phobie aus seiner Sicht nicht stimmte – und er wäre ihr auch nicht auf den Schoß gesprungen.

Quellen: Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie von Dennis C. Turner, "Die Welt", "The Battersea Way" auf Youtube

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