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Oh Tannenbaum Weihnachten in Coronazeiten: Sind Tannenbäume das neue Klopapier?


Auf die Bäume fertig los – so dürfte das Motto des diesjährigen Weihnachtseinkaufs lauten. Woher der plötzliche Ansturm auf die Tannenbäume kommt, erklärt ein Blick nach Kanada.

Weihnachtsfeiern, Weihnachtsmärkte, Weihnachtskonzerte – die Adventszeit lässt normalerweise jeden Terminkalender platzen. Doch nicht in diesem Jahr. Je höher die Coronazahlen in den letzten Wochen gestiegen sind, desto mehr Veranstaltungen wurden gestrichen oder ins Virtuelle verlegt. Wo sich traditionell mit Geschenktüten bepackte Menschen zwischen überfüllten Buden drängeln und der Geruch von gebrannten Mandeln und überteuertem Glühwein durch die Gassen zieht, herrscht im Dezember eisige Stille. 

Um in diesem Jahr trotzdem noch irgendwie in feierliche Stimmung zu kommen, bleibt für viele nur noch ein Highlight: der Kauf des alljährlichen Tannenbaums. Doch selbst hier könnte Corona noch zum Grinch werden und Spätshoppern einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen.

Baumfarmen in Kanada sind "leergepflückt"

Traditionell kaufen die Kanadier ihren Tannenbaum am ersten Samstag im Dezember. Doch in diesem Jahr scheint Weihnachten im Land der Seen und Wälder früher angebrochen zu sein, wie die "New York Times" berichtet. Bereits Anfang November – wenn Kanadier normalerweise damit anfangen, sich nach Bäumen umzugucken – waren viele Farmen bereits leergepflückt und die "Ausverkauft"-Schilder an den Grundstücken angebracht.

Der Grund ist mal wieder das Virus, dessen Name in diesem Jahr bereits zu oft genannt wurde. Seit November ist ein Großteil des Landes heruntergefahren. Von den alljährlichen öffentlichen  Feierlichkeiten, wie Nikolausparaden und Weihnachtsmärkte, finden nur die allerwenigsten statt. "Wir wussten, dass es kein normales Weihnachtsfest werden wird", sagte Premierminister Justin Trudeau vergangene Woche. "Jetzt müssen wir versuchen, uns anders mit unseren Lieben zu verbinden."  

Um also zumindest in den eigenen vier Wänden feierliche Stimmung aufkommen zu lassen, investieren die Kanadier dieses Jahr deutlich mehr Zeit und Geld in die perfekte Weihnachtsdeko. Da darf der geschmückte Tannenbaum natürlich nicht fehlen – und je früher man ihn holt, desto besser.

Hinzu kommt, dass auch die sogenannten Snowbirds Weihnachten dieses Jahr zu Hause feiern werden. Viele Kanadier, die über die Feiertage quer durchs Land fliegen, um ihre Familie zu sehen oder nach Florida in die Sonne entfliehen, haben ihre Reisen abgesagt.

Laut der "Canadian Snowbird Association" entschieden sich rund 70 Prozent der 110.000 kanadischen Snowbirds – die normalerweise im Winter nach Florida, Kalifornien und Arizona reisen – dafür, in der Heimat zu bleiben. Das bedeutet, dass insgesamt viel mehr Tannenbäume gekauft werden, was den Umsatz landesweit um 25 Prozent steigert, wie die "Canadian Christmas Trees Association" der "NY Times" mitteilte.

Baum-Geschäft boomt weltweit

Bereits im Frühjahr ließ sich beobachten, dass Corona das Kaufverhalten verändert. Waren damals leere Regale und gehamstertes Toilettenpapier noch das Symbol der ersten Welle, könnten Weihnachtsbäume schnell zum Sinnbild der zweiten werden. Denn nicht nur in Kanada stehen die Menschen Schlange für einen Nadelbaum.

Auch in den USA, Australien und in vielen europäischen Ländern bricht die Tannenbaum-Nachfrage dieses Jahr alle Rekorde. Viele haben ihre Tanne bereits Wochen im Voraus reserviert. Egal ob die eingetütete Version vom Supermarkt, selbst gehauen auf der Bio-Baumfarm oder – wie so vieles dieses Jahr – online bestellt: Fakt ist, das Geschäft mit den Bäumen boomt.

Wer also Weihnachten unterm Baum verbringen möchte, sollte mit dem Besorgen lieber nicht bis Heiligabend warten. Ansonsten könnte die Liedstrophe des Weihnachtsklassikers bald lauten: "Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum – wie schnell bist du ausverkauft."

Weitere Quellen: "The NY Times"


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