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Wirbelsturm: Zyklon "Larry" fegt über Down Under

Der Zyklon "Larry" ist mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer über die Nordostküste Australiens hinweggefegt. 50.000 Menschen waren ohne Strom. Meteorologen warnen indes vor einer Flutwelle.

Der schwerste Wirbelsturm seit Jahrzehnten hat im Bundesstaat Queensland erhebliche Verwüstungen angerichtet. Er beschädigte nach ersten Erkenntnissen der Behörden Dutzende von Häusern, entwurzelte zahlreiche Bäume, zerfetzte Stromleitungen und vernichtete die Rohrzucker- und Bananen-Ernte. Allerdings gab es zunächst keine Berichte über Schwerverletzte oder gar Tote.

Jedes zweite Haus betroffen

Besonders heftig wurde der rund 9000 Einwohner zählende Ort Innisfail südlich von Cairns getroffen. Schätzungen zufolge zog die Gewalt des Sturms dort etwa jedes zweite Haus in Mitleidenschaft. "Der schlimmste Fall ist eingetreten. Der Ort, den wir lieben, ist völlig verwüstet", sagte Bürgermeister Neil Clarke. Trotz hunderter Notrufe konnte die Polizei nicht zu Einsätzen ausrücken, weil die Beamten ihre Station erst gar nicht verlassen konnten.

Tausende von Küstenbewohnern hatten vor dem herannahenden Sturm ihre Häuser verlassen und in Schulen und Hotels Schutz gesucht, die jüngeren Bauvorschriften entsprechend Wirbelstürmen standhalten müssen. Der Zyklon war zunächst in die höchste Kategorie 5 eingestuft worden. Nachdem er aber am Montagmorgen (Ortszeit) die Küste erreicht hatte und landeinwärts zog, nahm seine Gewalt stetig ab.

Meteorologen warnen vor Flutwellen

Der Ministerpräsident von Queensland, Peter Beattie, rief den Notstand aus. Meteorologen sprachen von "schrecklichen" und "extrem gefährlichen" Bedingungen in der Region und warnten vor Flutwellen entlang eines 300 Kilometer langen Küstenabschnitts. "Noch schlimmer kann es kaum kommen", sagte der Meteorologe Jonty Hall. In Küstengebieten südlich von Cairns wurden Zwangsevakuierungen angeordnet, Notunterkünfte wurden eingerichtet. Ob der Sturm auch Schäden an dem weltberühmten Korallenriff, dem Great Barrier Riff, angerichtet hat, ist derzeit noch unklar. Ministerpräsident John Howard ordnete Alarmbereitschaft für die Rettungshubschrauber des Militärs an.

Rund 50.000 Haushalte an der Nordostküste waren ohne Strom. Die Behörden warnten unterdessen vor Giftschlangen und Salzwasserkrokodilen, die im Norden von Queensland leben. "Die meisten Opfer bei einem Zyklon gibt es, wenn er bereits vorübergezogen ist", warnte ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Peter Rekers. "Die Kinder müssen unbedingt von überfluteten Entwässerungskanälen fern gehalten werden und sich vor Schlangen und Krokodilen hüten."

"Larry" so stark wie "Katrina"

Die Behörden verglichen die Stärke des Zyklons mit der des Hurrikans "Katrina", der im August des vorigen Jahres die Küste des US- Bundesstaates Louisiana und vor allem die Großstadt New Orleans verwüstet hatte. Zyklone sind ebenso wie Hurrikans tropische Wirbelstürme, die ihre zerstörerische Kraft über dem Meer gewinnen. "Larry" hatte eine größere Wucht als der tropische Wirbelsturm "Tracy", durch den 1974 in Darwin ganz im Norden des Inselkontinents 71 Menschen starben und 20.000 obdachlos wurden.

Cairns ist das wichtigste Touristenzentrum in North Queensland und Ausgangspunkt für Besucher des Great Barrier Reef und des tropischen Regenwalds.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters
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