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Medizinischer Tierversuch Zoo verabreicht trauerndem Elefanten Cannabis-Öl, damit er sich besser fühlt

Der Wirkstoff Cannabidiol soll Elefanten im Warschauer Zoo bei der Trauerarbeit helfen
Der Wirkstoff Cannabidiol soll Elefanten im Warschauer Zoo bei der Trauerarbeit helfen
© Anna Ferensowicz / Picture Alliance
Eine junge Elefantenkuh im Warschauer Zoo zeigte nach dem Tod einer Artgenossin starke Stresssymptome. Deshalb hat sich der Zoo zu einem Experiment entschlossen, um ihre Trauer zu lindern: Fredzia bekommt nun den Cannabis-Wirkstoff CBD verabreicht.

Bis zum März lebten vier afrikanische Elefanten im Warschauer Zoo. Dann starb Erna, die größte und älteste Dame der kleinen Herde. Schnell wurde den Pflegern klar, dass der Tod von Erna besonders für die junge Elefantenkuh Fredzia schwer zu verkraften war. "Fredzia reagierte seltsam, als sie Ernas Leiche sah. Sie war wirklich aufgeregt", sagt Dr. Agnieszka Czujkowska, die Tierärztin des Zoos gegenüber "BBC News". "Man konnte sehen, dass sie tatsächlich trauerte, sie war auch deprimiert."

Fredzia zeigt seit dem Verlust Ernas weiter auffällige Stresssymptome. So versucht sie, ihre Trauer und Verwirrung zu überwinden, indem sie eine engere Bindung an eine andere Elefantenkuh aufbaut - doch das hat bislang nicht recht funktioniert. "Fredzia denkt immer darüber nach, was Buba jetzt gerade macht, vorher war sie viel ruhiger", sagt Dr. Czujkowska. Es kann Monate oder sogar Jahre dauern, bis Elefanten den Verlust eines älteren Tieres verkraften und der feste Zusammenhalt in der Herde wiederhergestellt ist. "Dies ist in jeder Elefantenherde ein großer Wendepunkt. Elefanten können Verhaltensprobleme haben, wenn sich die Struktur einer Gruppe ändert."

Tierärztin nutzt Gelegenheit für ein Experiment

Für die Tierärztin ist die Ausnahmesituation ein Anlass, um ein Experiment durchzuführen, um neue Behandlungsmethoden gegen Elefantenstress zu finden. Zu diesem Zweck wird Fredzia nun ein Cannabidiol verabreicht, ein Wirkstoff der Hanfplanze. Das CBD-Öl wird ihr entweder direkt in den Mund gespritzt oder unter das Futter gemischt. Der Wirkstoff hat unter anderem einen angstlösenden Effekt, ist aber nicht wie sein Verwandter THC (Tetrahydrocannbinol) psychoaktiv. Bekifft wird Fredzia also nicht, schädliche Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Um einen Effekt festzustellen, wird die Elefantenkuh nicht nur beobachtet, sondern auch gründlich untersucht. Bevor die CBD-Therapie begann, nahmen die Pfleger Kot-, Speichel- und Blutproben, um den Cortisol-Gehalt zu untersuchen. Cortisol ist ein Hormon, dass Tiere und Menschen produzieren, wenn sie unter Stress stehen. Sollte der Cortisol-Gehalt durch die CBD-Therapie  sinken, wäre das ein Erfolg. Es wird allerdings zwei Jahre in Anspruch nehmen, bis das Experiment abgeschlossen ist. Bis dahin ist Fredzia ein Versuchskaninchen, dass hoffentlich von der Behandlung profitiert. Ziel ist es, den anderen Elefanten und am Ende auch anderen gestressten Zootieren ein bisschen Linderung zu verschaffen.

Für Menschen gibt es bereits CBD-Medikamente

Beim Menschen ist man schon weiter. CBD-Produkte werden in zahlreichen Ländern legal zum Kauf angeboten, auch in Deutschland fällt es nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. In Großbritannien wurden nun sogar zwei auf CBD basierende Medikamente zur Behandlung von Epilepsie und Multipler Sklerose zu gelassen.

Quelle: BBC News

tis

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