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stern-Kolumne "Winnemuth": Den Verstand abdrücken

Köstlich, dieser Zustand der Verwahrlosung. Doch dann kommt die Einladung zu einer schicken Party. Das Debakel beginnt mit dem Griff zu Selbstbräunungscreme und Presswurst-Unterwäsche.

Von Meike Winnemuth

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Kolumnistendaseins gehört komplette Lebensferne, wie mir von einigen Lesern völlig zu Recht attestiert wird. Die Vormittage verbringe ich Zeitung lesend in einer Wieso-die-ist-dochnoch- gut-Schlunzhose auf der Parkbank, ich habe seit Langem weder Büros noch sonstige Orte von innen gesehen, die der Sozialkontrolle dienen. Mit anderen Worten: Ich befinde mich im Zustand köstlichster Verwahrlosung – inklusive Teddybeinen (wozu rasieren, wenn eh nur Schlunzhose?) und fünf Kilo Übergewicht (ich habe auf der Parkbank mal gelesen, rhythmisches Kauen diene der Konzentration und Kreativität. Nichts kaut sich rhythmischer als Haribo Phantasia, gut gekühlt und nach Elimination der widerlichen Schaumrückenkrokodile).

Herrliches Leben, möchte man meinen. Ist es auch – solange man nicht plötzlich ans mitleidlose Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Zum Beispiel durch die Einladung zu einer richtig schicken Party: bierfilzdicke Einladungskarte, nervenzerfetzend vager Dresscode ("black tie preferred"), vermutlicher Promi- Anteil: 30 Prozent, vermutlicher Anteil Black-Tie-gekleideter Personen ohne Fruchtgummiabhängigkeit: 90 Prozent. Absagen keine Option wegen vermutlicher Anwesenheit diverser Kostenstellenträger. Katastrophenfaktor: 100 Prozent. Natürlich sagte ich zu.

In der Nacht vor der Party bearbeitete ich meine spargelweißen Beine mit einem angeblich idiotinnensicheren Selbstbräuner-Handschuh. Am nächsten Morgen, eine Stunde vor dem Pediküretermin, schrubbte ich fluchend meine fleckig verfärbten Füße mit der rauen Seite eines Badreinigerschwamms ("Glitzi Antikalk"). Die Pedikürefachkraft betrachtete meine rot gescheuerten und immer noch braun gefleckten Füße: "Wollen Sie wirklich offene Schuhe tragen?" Von Wollen kann keine Rede sein, aber es waren 30 Grad vorhergesagt. Der Nagellack hieß "Really Red" und harmonierte mit den hektischen Flecken an meinem Hals.

Weiter, in die dampfende samstägliche Innenstadt. Gegen fünf Phantasia-Kilo hilft nur eins: Spanx, fleischfarbene Presswurst-Unterwäsche, die mit der Gnadenlosigkeit einer Schraubzwinge die ganze schwabblige Wahrheit wegdrückt. Es war mein erstes Mal im Zauberreich des Spanx, also kaufte ich wahllos ein Unterkleid, ein Tanktop und eine Art Thrombosestrumpf vom Oberschenkel bis über die Rippen namens Slim Cognito.

Bleibt nur noch Betrinken

Zu Hause festgestellt: Nichts davon taugt, alles Black-Tie-Taugliche war so geschnitten, dass der Spanx- Schummel auffliegen würde. Schreianfall. Zeltartiges Flatterkleid ohne Spanx angezogen und die einzigen dazu passenden Schuhe (die "Really Red" verbargen, nicht aber die Selbstbräunerflecken). Am roten Teppich zwischen Franziska Knuppe und Verona Pooth gestanden, die fantastisch aussahen. Spanx, keine Frage. Beschlossen, mich sinnlos zu betrinken, sobald die Kostenstellenleiter die Party verlassen würden. Beim Dinner neben zwei tollen Frauen gesessen, die gestanden, nur zusammen aufs Klo gehen zu können, weil sie sich gegenseitig aus ihren komplizierten Outfits helfen müssten.

Wir sind nicht bescheuert, wirklich nicht. Jedenfalls nicht im wahren Leben. Aber kurz vor schicken Partys spanxen wir Frauen uns den Verstand weg. Je doller die Party, desto größer der Stress, desto kleiner das Vergnügen. Irgendwann nach Mitternacht, nach einer halben Flasche Champagner oder einer ganzen, zog ich die Heels aus und tanzte auf braun gefleckten Füßen. Beim nächsten Mal überspringe ich den ganzen Quatsch und beginne sofort damit, mich zu amüsieren.

Illustration: Tina Berning

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.