HOME

Stern Logo Winnemuth Kolumne

Kolumne Winnemuth: Kollektiver Irrtum

Sklavenhaltung, Feudalismus, Atomkraft – die Menschheit hat oft danebengelegen. Auch über uns werden die Leute einst den Kopf schütteln.

Von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth: Kollektiver Irrtum – oft lag die Menschheit schon daneben

"Aristoteles glaubte noch, dass Steine nur deshalb nicht fliegen, weil sie aus freien Stücken am Boden bleiben wollen" und erlag einem Irrtum

Wie die meisten Leute irre ich mich ziemlich oft. Ich irre mich in Wahlprognosen, Regenwahrscheinlichkeit, zulässiger Höchstgeschwindigkeit, Kleidergrößen und Abfahrtszeiten von Fernzügen ("Den schaffe ich noch locker"). Ich irre mich in Menschen, wenn auch zunehmend seltener, ich habe schon Dutzende von Überzeugungen plus zwei bis drei Lebenspläne begraben und verliere fast jede Wette, die ich eingehe. Ich würde sagen: Der Irrtum ist eine der großen Konstanten meines Lebens. Der Normalfall.

Aristoteles glaubte noch, dass Steine nur deshalb nicht fliegen, weil sie aus freien Stücken am Boden bleiben wollen

Das gilt nicht nur für mich im Kleinen, sondern für die ganze Menschheit. Was vorgestern für richtig gehalten wurde – geozentrisches Weltbild, Jus primae Noctis, Todesstrafe, Sklavenhaltung, Adelsherrschaft, Kriege als Mittel der Politik, Kernkraft als supi Energiequelle –, gilt heute in weiten Teilen der Welt als widerlegt, überholt, barbarisch oder zumindest verpönt. Spricht man von den Zeiten, zu denen all das noch Common Sense war, dann stets mit leichtem Schaudern und der Erleichterung, nicht damals gelebt zu haben, als noch ... Man muss nicht mal in die Bronzezeit oder ins Mittelalter zurückgehen, um sich über die vergangenen Irrtümer und Verirrungen zu gruseln. Unvorstellbar, dass ein Mann seiner Frau verbieten konnte zu arbeiten! Tja, konnte er hierzulande bis 1977, einen historischen Wimpernschlag entfernt.

Jede Generation glaubt, jetzt aber echt mal alles Wesentliche kapiert und auf die Reihe gekriegt zu haben – und wird von der nächsten oder übernächsten Generation eines Besseren belehrt. Das gilt für gesellschaftliche Übereinkünfte genauso wie für wissenschaftliche Überzeugungen, denn selbst die ergeben eine Geschichte des Irrtums. Mein Lieblingsbeispiel ist immer die Schwerkraft: Aristoteles glaubte noch, dass Steine nur deshalb nicht fliegen, weil sie aus freien Stücken am Boden bleiben wollen. Dann kam Newton. Dann kam die Relativitätstheorie. Und jetzt leben wir im Zeitalter der Quantengravitation, die nicht nur unsere Vorstellung von Schwerkraft, sondern auch den ganzen Rest komplett über den Haufen werfen könnte.

Vieles, was wir heute glauben wird sich übermorgen als Irrtum entpuppen

Mit ziemlicher Sicherheit also wird sich vieles, was wir heute glauben – ob in Naturwissenschaft, Wirtschaft, Medizin, Erziehung oder Politik –, übermorgen als Irrtum entpuppen. Faktisch falsch, moralisch falsch. In 100 Jahren – ach was, in 50 – werden die Leute über uns den Kopf schütteln und sagen: Was für Idioten, damals zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die haben sich doch tatsächlich in selbst gelenkten Blechcontainern mittels fossiler Energie fortbewegt. Die haben sich über die Arbeit definiert, wie irre! Die haben Tiere gegessen. Die haben Bäume umgehauen, um gelogene Geschichten über sogenannte Prinzen draufzudrucken (zu drucken!), zu lesen (zu lesen!) und anschließend wegzuwerfen. Die haben sich sogar für intelligenter gehalten als Maschinen, nicht zu fassen!

Menschliche Erkenntnis ist, das ergibt die Rückschau auf vergangene Jahrtausende, ein ungemein wackliges Provisorium, das jederzeit umgepustet werden kann. Verrückterweise führt das aber nicht etwa dazu, dass wir unsere heutigen Überzeugungen und Selbstverständlichkeiten für ebenso wacklig und prekär halten. Klar: Worin wir danebenliegen, wird erst die Zukunft erweisen, denn bis wir merken, dass wir uns getäuscht haben, wird sich der Irrtum haargenau wie Rechthaben anfühlen. Wird es in einem Jahrzehnt noch richtig sein? Die Frage ist nicht zu beantworten. Was uns nicht davon abhalten sollte, sie zu stellen. Bis dahin gilt die ewige Antwort von Christopher Hitchens: "Was ohne Evidenz behauptet wird, kann ohne Evidenz verworfen werden."

Soldat glaubt FIlmdreh ist real
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.