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Suche nach Flugpionierin: Irrtum eines Ermittlers – angebliches Beweisfoto zeigt nicht Earhart

Amelia Earhart sollte 1937 in japanische Gefangenschaft geraten sein. Das wollte ein FBI-Ermittler mit einem alten Foto beweisen – aber er ist einem Irrtum aufgesessen.

Amelia Earhart vor ihrer Lockheed Electra.

Amelia Earhart vor ihrer Lockheed Electra.

Das Schicksal der Flugpionierin Amelia Earhart hält die Welt in Atem. Im vergangenen Jahr tauchte die Theorie auf, sie sei nicht bei dem Absturz ihrer Maschine vom Typ Electra gestorben. Earhart habe sich auf das unbewohnte Eiland retten können. Auf dem Atoll ohne eigenes Trinkwasser, sei sie dann elendig gestorben. Gestützt wird die Theorie durch eine Analyse von Fotos eines Skeletts, das auf der Insel gefunden wurde.

Neue Fototheorie

Eine ganz andere Theorie wurde vom ehemaligen FBI Ermittelter Shawn Henry in der vergangenen Woche präsentiert. Auch er war sich sicher, dass Earhart nicht beim Absturz über dem Meer getötet wurde. Sie und ihr Navigator Fred Noonan seien von einem japanischen Schiff geborgen worden, glaubt Henry. Als Beweis präsentierte er ein Foto aus der Nationalbibliothek der USA. Es zeigt den Frachter Koshu im Hintergrund. In der Personengruppe auf dem Pier wollten Gesichtserkennungsspezialisten Earhart und Noonan identifiziert haben. Tatsächlich ähnelt die sitzende Frau in Kleidung und Haltung .

Flugpionierin: Amelia Earhart - die kühne Frau, die die Welt umfliegen wollte
Amelia Earhart vor ihrer Lookheed Electra.

Amelia Earhart vor ihrer Lookheed Electra.

Auffällig an dieser Deutung war allerdings, dass sich die Ermittler sehr auf Haltung und Gesichter der beiden Personen konzentriert haben – obwohl nur wenige Pixel zu erkennen sind. Aber niemand die geometrischen Daten des Flugzeugs auf dem Deck der Kosha rekonstruiert hat, obwohl man so sehr viel eindeutiger hätte feststellen können, ob es sich um eine Lockheed Electra gehandelt hat. Um auf ein Schiff transportiert zu werden, wäre die Electra ein ungewöhnliches Flugzeug. Mit etwa 12 Meter Länge und etwa 17 Meter Spannweite ist das Passagierflugzeug relativ groß. Da es auch kein Wasserflugzeug ist, wäre das zweimotorige Flugzeug leicht zu erkennen. 

Foto aus japanischem Buch

Die Foto-Theorie hörte sich etwas gewagt, aber wegen Zeugenaussage aus der Zeit auch schlüssig an. Nun ist sie in sich zusammengebrochen. Das Foto wurde schlicht falsch datiert.

Ein Blogger postete das Original. Das Bild wurde bereits 1935 in einem japanischen Buch gedruckt, mit dem Titel: "Die Lebenslinien der See – Meine Reise in der Südsee".

 Zu diesem Zeitpunkt erfreute sich Amelia Earhart noch bester Gesundheit. Die so tragisch gescheiterte Weltumrundung hatte noch gar nicht begonnen. Da die Electra auch erst 1935 in Dienst gestellt wurde, wird es sich bei dem Flugzeug an Bord des Schiffes sicher nicht um das Modell von Lockheed handeln.

Gardener Island wieder im Rennen

Damit ist die Theorie von Gardner Islands wieder die heißeste Fährte der Suche nach Earharts Verbleib. Die Forscher glauben, dass Earhart und Noonan wegen Problemen mit ihrem Funkgerät ihren eigentlichen Zwischenstopp verfehlten und sie etwa 500 Kilometer entfernt bei Gardner Island notlanden mussten, als der Treibstoff zu Ende ging. In einer Youtube-Präsentation sagt Gillespie: "Earhart konnte noch relativ sicher auf Gardner Island landen und sendete sechs Tage lang Notsignale. 47 Nachrichten wurden von Funkern empfangen, die glaubwürdig erscheinen." Ric Gillespie versucht derzeit mit Spürhunden Knochen- oder DNA-Reste auf der Insel zu finden. Bislang jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.