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stern-Kolumne Winnemuth: Gelage im Stehen

Liebe Leserschaft, Sie wollten es nicht anders: Hier kommt Teil 2 der "Kühlschrank-Cuisine" - Rezepte für das nächtliche Vergnügen kulinarischer Verwahrlosung

Von Meike Winnemuth

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Direkt vor dem Kühlschrank entwickeln sich die kühnsten Gourmet-Kreationen: Von Toastscheiben mit Marshmallows bis zu Sorbet vom Salzgurkenwasser.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Direkt vor dem Kühlschrank entwickeln sich die kühnsten Gourmet-Kreationen: Von Toastscheiben mit Marshmallows bis zu Sorbet vom Salzgurkenwasser.

Wie das wieder geklappt hat! Tausend Dank, liebe stern-Leser, für die rege Beteiligung an meiner Suche nach den kühnsten Mitternachtssnacks, besten Essen-ohne-Teller-Gerichten und sonstigen Küchensauereien. Mein Aufruf vor drei Wochen hat reiche Ernte gebracht. Für ein Buch, wie einige vorschlugen, reicht es nicht ganz, in jedem Fall aber für eine weitere Ode an die kulinarische Verwahrlosung. Ich halte mich an den Wunsch der meisten Beiträger, anonym bleiben zu wollen ("zu peinlich!").

Für Verwegene: Dosenhering in Tomatensauce

Michael G. etwa empfiehlt Topinky, die böhmische Version der Bruschetta: "In Butter geröstete Sauerteigbrotscheiben, mit reichlich Knoblauch eingerieben und kräftig gesalzen. Ganz Verwegene können ein bisschen Dosenhering in Tomatensauce hinzuziehen. Geht aber wirklich nur, wenn man alleine ist (und am besten am nächsten Tag auch noch)." Angela G. tunkt fingerdicke Streifen Leerdammer in süßen Händlmaier-Senf. Bernd B. rührt eine Dose Thunfisch, eine Dose Mais, eine kleine Zwiebel, Pfeffer, Salz, Essig, Öl zusammen: "Fantastisch für eine kleine Vorspeise nachts um zwei."

Sorbet vom Salzgurkenwasser

Patricia stellt sich an die Spüle, isst Mozzarella gleich aus der Packung und tröpfelt vor jedem Bissen Balsamicoessig drauf. Ute C. serviert sich selbst Salzstangen mit Mayodip oder Paprikaschote in Streifen, mit Balsamicocreme beträufelt: "Schmeckt wie Salat, geht aber viel schneller." Großartig auch die Fast-Food-Varianten klassischer Gerichte: Jochen W. bestreicht eine Scheibe Puten- oder Hühnerfilet mit Thunfischcreme, packt drei Kapern drauf und rollt sie zusammen: "Vitello to go". Wendy hat eine Blitzversion von Eggs Benedict erfunden: "Schüsselchen raus. Mit einer oder zwei Scheiben Schinken auslegen, ein rohes Ei hineinklopfen (Dotter muss ganz bleiben). Eine Minute in die Mikrowelle (das Eigelb darf noch flüssig sein) – aufpassen, dass es einem nicht um die Ohren fliegt (Übung macht die Meisterin). Inzwischen Toast toasten. Fertig- Hollandaise aus dem Tetrapack drüber, wieder in die Mikro, bis die Hollandaise blubbert (30 Sekunden). Eine Scheibe Käse drüber, wieder Mikro, bis der Käse schmilzt. Alles auf den Toast. Genießen und sich dabei vollkleckern."

Sorbet vom Salzgurkenwasser Ansonsten habe ich gelernt: Käse kann man in Salamischeiben rollen und Salami in Käsescheiben. Die kann man aber auch mit Tomatenmark bestreichen oder mit Dijonnaise oder mit Marmelade. Schöne Idee von Anke W.: wenn ein Salatkopf schon schlappmacht, die Blätter als Wrap- Material nutzen. Was kalt war, wird heiß gemacht (Bernd H.: Kartoffelsalatreste aus der Pfanne), was heiß war, kalt genossen (Jutta M.: kalte Spaghetti mit Sojasauce), und Ueli H. hat gleich ein ganzes Menü komponiert. Höhepunkt: Sorbet vom Salzgurkenwasser mit Kümmelkorn. Auch für Nachspeisen ist gesorgt: Martin K. schneidet einen nicht zu süßen Apfel in Spalten, lässt auf die eine Seite etwas Meersalz rieseln und streicht auf die andere Honig. Und Charlotte D. sprüht Fertigsahne auf zwei Toastscheiben und packt Marshmallows oder Gummibärchen dazwischen.

Im Schlafanzug vor dem Kühlschrank

Um die nächtliche Grundversorgung muss man sich also keine Sorgen machen. Proteste kamen lediglich vonseiten einiger Pagida-Anhänger („Paarmenschen gegen die Individualisierung des Abendessens“), die das alles traurig und bemitleidenswert finden. Die meinem Eindruck nach deutlich glücklicheren Paare jedoch stehen gemeinsam im Schlafanzug vor dem Kühlschrank und zelebrieren die schönsten Gelage im Stehen. Sie wissen genau, wen ich meine – nicht wahr, Gabriele B.?

Die Kolumne

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Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.