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stern-Kolumne Winnemuth: Klein ist die Rache

Warum begleichen Promis alte Rechnungen in Buchform? In der Regel aus demselben Grund, aus dem sie prominent wurden: Narzissmus. Entsprechend armselig ist meist das Ergebnis.

Von Meike Winnemuth

Was man besser lassen sollte: Promis wie Boris Becker haben erst Bücher geschrieben - und es dann wieder bereut.

Was man besser lassen sollte: Promis wie Boris Becker haben erst Bücher geschrieben - und es dann wieder bereut.

In unserer kleinen Reihe "Was man besser lassen sollte" (neulich: Ice Bucket Challenge) kommen wir heute zu Teil zwei: Bücher schreiben. Genauer: Jetzt-rede-ich-Bücher schreiben. Fast wöchentlich wird eine neue Rechnung beglichen. Valérie Trierweiler vernichtet schäumend ihren Ex François Hollande, die ehemalige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke rechnet mit der Politik ab, zuvor Boris Becker mit seinen Frauen, Christian Wulff mit den Medien und seine Exfrau Bettina mit … ach, mit allem. Rechtfertigung, Rechthaberei, Rache – es stecken selten edle Motive hinter diesen Büchern. In der Regel sind sie aus einer narzisstischen Kränkung heraus geschrieben, füßchenstampfend, fingerzeigend, schuld sind immer die anderen.

Schluck it und fuck it

Was mich am meisten an solchen Büchern nervt, ist die weinerliche Das-habe-ich- nicht-verdient-Attitüde. Doch, das hast du verdient. Du hast dir diesen Mann ausgesucht oder dieses Amt oder diese Karriere oder dieses Leben. Dann ist es schiefgegangen. So was passiert. Und zwar uns allen. Das Leben wird nicht mit der Garantie geliefert, immer zu klappen. In so einer Situation bleibt nur eins: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Schluck it und fuck it.

Aber nein, ein Buch. Der Vorschuss lockt und noch mehr die Aussicht auf das letzte Wort. Nur hat man das nie. Das letzte Wort haben die Leser, die sich fassungslos fragen, warum absolut niemand ein selbstkritisches, würdevolles Buch hinkriegt, wenn es denn schon geschrieben werden muss. Was zum Beispiel hat einen Selbstdarstellungsprofi wie Madame Trierweiler getrieben, sich als hysterische, krankhaft eifersüchtige, intrigante Kuh zu entblößen? Allein die Szene, als sie von Hollandes Affäre erfährt: Wie sie mit dem Schuft um einen Beutel Schlaftabletten rangelt und die heruntergefallenen Pillen vom Boden klaubt. "Ich schlucke, was ich kann. Ich will schlafen, ich will die nächsten Stunden nicht erleben." Mon Dieu, was für ein Groschenroman.

Bücher mit hoher Fehlerquote

"Merci pour ce moment" heißt das Buch, doch dem köstlichen Moment der Rache wird lebenslängliches Schämen und Fremdschämen folgen. In Anlehnung an Sixties-Agentenserien: Diese Nachricht wird dich in fünf Minuten selbst zerstören. Und Häschen sitzt nur noch tiefer in der Grube. Der Katzenjammer über das unerträgliche Leben in der medialen Schusslinie – in die man sich mit einem Buch ein weiteres Mal bereitwillig gestellt hat – endet stets mit der Klage, dass man es nie hätte schreiben sollen. Boris Becker jüngst im "Spiegel"-Interview: "Das Buch war ein Fehler", Bettina Wulff jüngst im "SZ-Magazin": "Das Buch war ein Fehler", Giovanni di Lorenzo über sein Guttenberg-Jetzt redet-er-Interview-Buch: "Es war mit Sicherheit ein Fehler." Ich tippe mal: Valerie Trierweiler 2015: "Ce livre était un erreur." Dabei lohnen sich solche Werke meist nicht mal finanziell. Sie belegen ein paar Wochen die Bestsellerlistenplätze – bis die letzte Talkshow abgeklappert ist – und verwandeln sich danach augenblicklich in Altpapier. Christian Wulffs Titel trifft die Sache bestens: "Ganz oben Ganz unten". Boris Becker hat, heißt es, gerade mal überschaubare 20 000 Bücher verkauft, ein Ausweg aus der ihm nachgesagten finanziellen Malesche wird das kaum gewesen sein. Nichts schlägt das Motto der britischen Monarchie: "Never complain, never explain – beschwer dich nie, erklär dich nie". Verbeiß dich nicht in erlittenes Unrecht, sei es echt oder eingebildet, sonst wirst du es nie hinter dich bringen. Geh zu Freunden, heul dich aus, lass dir eine Suppe kochen. Und stör nicht das Gras beim Drüberwachsen.

Die Kolumne ...

... von Meike Winnemuth finden Sie immer schon donnerstags im aktuellen stern. Diese Kolumne erschien in der vergangenen Woche, Heft Nr. 39.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.