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Bio-Preise: Teuer macht glücklich

Bio-Lebensmittel kosten in der Regel mehr als konventionell erzeugte Produkte. stern.de erklärt, wo das Geld hinfließt und weshalb die Preisunterschiede bei Apfel und Birne geringer sind als bei Schnitzel und Filet.

Von Dorothea Palte

Jahrelang unterboten sich die Discounter fast täglich mit neuen Tiefstpreisen für Lebensmittel: ein Kilo Hähnchenkeulen für weniger als zwei Euro, ein Stück Butter für 60 Cent. Preise, die nur durch eine konsequente Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und fabrikmäßige Lebensmittelerzeugung erreicht werden können. Diese Zeiten sind aber auch bei konventionellen Produkten allmählich vorbei. Steigende Weltnachfrage und Erzeugerkosten waren im vergangenen Jahr die Gründe, weshalb die Handelspreise anzogen. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Preise für Nahrungsmittel – inklusive Bioprodukte – im Jahr 2007 um durchschnittlich 3,1 Prozent gestiegen sind. Insbesondere Butter, Quark und Vollmilch sind zum Teil weit über zehn Prozent teurer geworden – und damit Spitzenreiter.

Geringe Preisunterschiede bei Äpfeln

Das ändert an den Herstellungsbedingungen in der konventionellen Landwirtschaft jedoch nichts. Für Bio-Ware muss man immer ein bisschen mehr ausgeben. Während man im Herbst für einen heimischen Bio-Apfel im Vergleich zum konventionellen aber nur ein paar Cent mehr bezahlen muss, sind die Preisunterschiede beim Fleisch dramatisch. So kann ein Kilo Bio-Schweineschnitzel das Doppelte vom Discounter-Preis kosten. Woher kommen diese Unterschiede?

Im Bio-Landbau ist das Gleichgewicht zwischen Boden, Tieren und Pflanzen das Leitbild. Ziel ist der geschlossene Kreislauf: Es werden nur so viele Tiere gehalten, wie der Ertrag der eigenen Felder ernähren kann. Dadurch fällt auch nur so viel Gülle und Mist an, wie der Boden als Dünger braucht – so das angestrebte Ideal. Das bedeutet im Gegensatz zu Monokulturen oder Fleischfabriken der konventionellen Landwirtschaft Einbußen. Durch den Verzicht auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind die Ernteerträge geringer. Die Bio-Pflanzen brauchen länger zur Reifung. Natürlicher Pflanzenschutz heißt oft Handarbeit. Ein Öko-Bauer kann weniger anbauen, denn ein Drittel der Ackerfläche muss mit Leguminosen (Hülsenfrüchte zur Gründüngung) bebaut werden. Allerdings spart er auch Kosten, weil er zum Beispiel keine Pflanzenschutz- und Düngemittel benötigt, was gerade bei saisonalem Obst und Gemüse die sehr geringen Preisunterschiede erklärt.

Langsamer schlachtreif

Besonders kostenintensiv ist von jeher die Fleischproduktion, besonders die ökologische. Bio-Bauern halten pro Fläche deutlich weniger Tiere. Artgerechte Haltung ist vorgeschrieben: Die Vorgaben in Bezug auf den Auslauf im Freien und ein gesundes Stallklima sind streng. Bio-Halter züchten langsam wachsende, dafür aber robustere Tiere. Wenn sie erkranken und mit konventionellen Medikamenten behandelt werden müssen, beträgt die Wartezeit bis zur Schlachtung doppelt so lang wie sonst üblich. Im Idealfall soll das Futter vom eigenen Hof stammen, was bisher kaum realistisch ist. Auch beim Zufüttern unterliegen Bio-Bauern strengen Vorschriften. All das stellt große Anforderungen an den Tierhalter und führt zu erheblich höheren Kosten: Bei einem Tier aus biologischer Haltung dauert es im Schnitt doppelt so lange wie bei einem konventionellen Masttier, bis es schlachtreif ist.

In den Öko-Preisen sind auch die Kosten für Kontrollen bei Anbau und Verarbeitung enthalten. Kaum eine Ware wird so umfangreich von unabhängigen Kontrollstellen geprüft wie Bio-Nahrungsmittel. Das kostet Geld. Zudem wird Bio streng getrennt von herkömmlichen Lebensmitteln verarbeitet und transportiert, damit sich die Produkte nicht vermischen. Was beim Betrachten der Preise allerdings oft vergessen wird: Durch den nachhaltigen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen spart der Bio-Landbau gesamtgesellschaftlich Kosten. Zum Beispiel jene, die der Verbraucher bei konventionellen Lebensmitteln zwar nicht an der Supermarktkasse, aber mit seinen Steuern oder seiner Wasserrechnung zahlt: Ausgaben, die durch Verunreinigung des Trinkwassers durch Arznei- und Pflanzenschutzmittelrückstände oder durch Bodenerosion und Überschwemmungen entstehen.

Umstellung dauert drei Jahre

Trotz des Bio-Booms am Verkaufstresen halten sich die deutschen Bauern bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft eher zurück. Nur knapp fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland werden ökologisch genutzt. Der Umstieg dauert etwa drei Jahre. 2007 wurden die Öko-Fördermittel stark gekürzt, weshalb für die kommenden Jahre mit geringeren Zuwachsraten gerechnet werden muss. So sind immer mehr Importe notwendig, um die starke Bio-Nachfrage zu decken. Eingeführte Produkte landen nicht selten als Bio-Ware beim Discounter, und das führt zu dem interessanten Phänomen, dass die Preise beim Bio-Essen – ganz im Gegensatz zur Entwicklung bei konventionellen Nahrungsmitteln – eher fallen. So kann es einem heute glatt passieren, dass man für einen Liter Bio-Milch weniger bezahlt als für ein konventionelles Markenprodukt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.