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Frühstück via Mausklick: Das Web-2.0-Müsli

Die Zahl ist unvorstellbar groß: 566 Billiarden Öko-Müslivarianten lassen sich auf www.mymuesli.com per Mausklick zusammenmischen. Da kann ein einfacher Bestellvorgang zu einer echten Herausforderung an die eigene Entscheidungsfähigkeit werden.

Von Britta Hesener

Wer gerne Müsli isst, sollte einmal auf www.mymuesli.com vorbeischauen

Wer gerne Müsli isst, sollte einmal auf www.mymuesli.com vorbeischauen

Es ist ein bisschen wie damals, als man an Papas oder Mamas Hand mit großen Augen in der Eisdiele stand und absolut nicht in der Lage war, sich für eine Kugel aus der schier unendlichen Auswahl an Eissorten zu entscheiden. Mit einem ähnlichen Verhalten sieht man sich konfrontiert, wenn man sich durch die Internetseite www.mymuesli.com klickt. Nur dass es hier nicht um den süßen Inhalt silbrig-frostig schimmernder Eiskisten, sondern um virtuelle Haferflocken, Trockenananas, Hanfnüsse und Co. geht. Auf der Internetseite können sich Ökofreaks und Freunde des flüssig-kernigen Frühstücks ihre eigene Müslimischung zusammenstellen - und das kann zu einer richtigen Herausforderung an die eigene Entscheidungsfreudigkeit werden.

Vielleicht die Chocolate-Dream-Mischung? Oder doch Tropica. Und was dazu? Ein paar Gojibeeren, etwas Alfalfa oder Peanut-Chocs? Selbst der entscheidungsfreudigste User ist nicht dagegen gefeit, sich im teils recht exotischen Variantenreichtum von mymuesli.com zu verlieren - schließlich gilt es, eine von angeblich 566 Billiarden denkbaren Müslimischungen zusammenzustellen.

Im Dreierschritt zur Müslimischung

Dabei macht es die schlichte Aufmachung von mymuesli.com dem User denkbar leicht. "Stell´ Dir Dein Müsli selbst zusammen. Wir liefern es Dir nach Hause", lautet die simple Botschaft auf der Startseite. Darunter fordert ein pinker Schriftzug auf: "Jetzt mixen". Also draufklicken und schon geht Phase eins der virtuellen Könermischerei los. Denn auf dem Weg zum persönlichen Müslimix müssen insgesamt drei Phasen durchlaufen werden: Erstens Müslibasis wählen, zweitens Extrazutaten aussuchen, drittens bestellen. Doch so schnell, wie sich das anhört, geht's dann doch nicht - dem Variantenreichtum sei Dank. Schon die Wahl der Müslibasis kann sich für den gewissenhaften Mixer zu einer Art Grundlagenforschung entwickeln. Vom Bioklassiker "Fünf Körner" mit Weizen-, Hafer-, Roggen-, Dinkel- und Gerstenflocken bis zur fernöstlichen Mischung "QI" bestehend aus Soja-, Reis-, Buchweizenflocken bietet allein die Basisliste ein Auswahl von insgesamt neun Mischungen.

Wem das noch nicht reicht, sollte auf den Button "Müslibasis verfeinern" klicken und aus weiteren 17 Ingredienzien wählen - von der Amaranthflocke bis zum Weizenhonigpop. Um dabei nicht den Überblick zu verlieren, hilft ein Blick auf den linken Bildschirmrand. Dort stapelt sich mit jedem Klick in einer virtuellen Müslidose Zutat über Zutat.

Vom Apfel-Zimt-Crunchy bis zur Hanfnuss

Ist im ersten Schritt also die Grundlage gewählt, gilt es sie im zweiten mit Nüssen, Früchten und jeder Menge Extras anzureichern. Der Müslienthusiast kann sich dabei so richtig austoben: Ein bisschen Mango hier, etwas getrocknete Ananas dort. Dazu noch ein paar Hanfnüsse, Paranüsse oder Kokosraspeln und am Ende das Ganze mit Apfel-Zimt-Crunchies oder Bananachocs abrunden. Dann nur noch auf den "Jetzt bestellen"-Button klicken, ein Formular ausfüllen und auf den Briefträger warten. Und dann, nach einigen Tagen Lieferzeit, kann der vorfreudig wartende Müslimixer eine runde Metalldose gefüllt mit der Getreidemischung seiner Wahl in Empfang nehmen.

Die Kosten für die Frühstückslieferung hängen von der Anzahl und Art der Zutaten ab. Für 575 Gramm sind aber mindestens 3,90 Euro fällig, zuzüglich 3,90 Euro Versand. Pro Zutat fallen noch einmal zwischen 20 Cent und 1,20 Euro an. Insgesamt ist eine Bestellung auf mymuesli.com kein ganz billiges Vergnügen. Dafür bekommt man allerdings auch von "Ökotest" empfohlene und hundertprozentige Bioware - so versprechen es zumindest die "Jungs".

Selber mitmischen, statt konsumieren

Die Jungs, das sind die Macher von mymuesli.com. Warum sie nur die "Jungs" genannt werden, würssten sie selbst nicht mehr, erzählen sie auf der Internetseite in der Rubrik "about us". Aus unerklärlichen Gründen habe sich der Name im Laufe ihrer Erfolgsgeschichte eingebürgter und Hubertus (26), Philipp (26) und Max (24) hätten ihn fortan übernommen. Die drei haben zusammen in Passau studiert: Philipp und Hubertus BWL und Max Jura. Doch wie kommen zwei BWLer und ein Jurist ausgerechnet dazu, eine Müsli-Firma zu gründen? Auf ihrer Internetseite geben sie die Antwort: Sie seien auf dem Weg zum Badesee gewesen, als sie den Radiospot einer bekannten Müslifirma aus dem Odenwald gehört hätten. Für die Jungs war danach klar: Das müsste man doch selbst irgendwie besser machen können - die Werbung genauso wie das Müsli. Und warum eigentlich nicht gleich die Frühstücksflocken vom Endabnehmer direkt selbst zusammenstellen lassen? Das Internet bietet dafür die perfekte Plattform, dachten sie sich. Wie richtig sie mit ihrer Idee lagen, zeigte sich bereits zwei Wochen nach dem Start: Sie seien komplett ausverkauft gewesen. Die interaktive Vorzüge des Internets waren auch bei den Müslifreunden eingeschlagen wie eine Bombe. Endlich durften sie selber mitmischen, statt nur zu konsumieren: Das Web-2.0-Müsli war geboren.

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