"Discovery"-Mission Beinahe-Katastrophe im All


Eine Tragödie drohte sich zu wiederholen: Beim Start der Raumfähre "Discovery" wurde der Hitzeschild beschädigt - ein solcher Defekt hatte 2003 zum Absturz der "Columbia" geführt. Nur eine riskante Reparatur im All konnte eine erneute Katastrophe noch verhindern.

Auf den Jubel folgte großes Bangen an jenem 26. Juli - dem Tag, an dem die Raumfähre "Discovery" ins All startete. Zwar sprachen die Verantwortlichen der US-Weltraumorganisation Nasa anfänglich noch von einem "sauberen Start"; Videoaufnahmen zeigten jedoch, dass sich ein Stück Isolierschaum aus dem Hitzeschild gelöst und den Shuttle getroffen hatte.

Für die US-Raumfahrt war der Vorfall ein Desaster: Die "Discovery" war die erste Raumfähre der Nasa gewesen, die seit dem Absturz der "Columbia" vor zweieinhalb Jahren gestartet war. Und eben die "Columbia"-Katastrophe hatte deutlich gezeigt, welch fatale Folgen ein Schaden am Hitzeschild haben kann: Alle sieben Astronauten waren am 1. Februar 2003 gestorben, als die "Columbia" beim Wiedereintritt in die Atmosphäre auseinander gebrochen war. Die Ursache damals: ein herausgebrochenes Stück Isolierschaum aus einer Hitzekachel des Shuttles.

Gefährliche Reparatur im All

Zwar konnte die "Discovery" wie geplant am 28. Juli an der Internationalen Raumstation ISS andocken, Nachschub und technisches Gerät auf die Station bringen und mehrere Tonnen Müll an Bord nehmen. Die Nasa wollte jedoch nicht erneut das Risiko eingehen, ein Shuttle trotz eines defekten Hitzeschildes in die Atmosphäre eintreten zu lassen. Man entschied sich, den Schaden im All zu reparieren.

Am 3. August entfernte der Astronaut Stephen Robinson zwei herabhängende Fugenfüller zwischen den Hitzeschutzkacheln an der Unterseite des Shuttles - bei Schwerelosigkeit und hoher Geschwindigkeit ein äußerst schwieriges und gefährliches Unterfangen. Die Experten der Nasa hatten befürchtet, dass die Fügenfüller die Aerodynamik des Shuttles stören könnten. Dies hätte zu einer stärkeren Aufheizung des Schutzschildes bei der Rückkehr zur Erde führen können.

In der Geschichte der US-Raumfahrt war Robinsons Einsatz eine Premiere: Noch nie zuvor hatte ein Astronaut im All einen Space-Shuttle repariert.

Shuttle-Flüge zunächst alle abgesagt

Beim Wiedereintritt in die Atmosphäre am 9. August ging dann aber doch alles glatt. Zwar musste die Nasa die Landung des Shuttles um einen Tag verschieben und wegen schlechten Wetters in Florida kurzfristig von Cape Canaveral nach Kalifornien verlegen. Die "Discovery" landete dann aber sicher auf dem Luftwaffenstützpunkt Edwards. Um 5.11 Uhr setzte sie auf der Piste in der Mojave-Wüste auf.

Trotz dieses glimpflichen Endes hat die Nasa alle weiteren Shuttle-Flüge zunächst abgesagt. Die nächste Raumfähre werde erst starten, wenn das Problem mit dem Hitzeschild gelöst sei, sagte Nasa-Direktor Michael Griffin. Der ursprünglich für September geplante nächste "Discovery"-Start wurde auf 2006 verschoben und soll frühestens im März stattfinden.

Angelika Unger

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