"Kaguya"-Aufnahme Wenn die Erde untergeht


Vor zwei Monaten startete die japanische Raumsonde "Kaguya" - und damit die erste Mondmission in der Geschichte Japans. Eine ihrer Aufgaben hat die Sonde jetzt erfolgreich gemeistert: Sie hat hochauflösende Filmaufnahmen vom "Erduntergang" gesendet.

Es war eine Raumfahrt-Premier in der Geschichte Japans: Am 14. September startete die japanische Raumfahrtbehörde JAXA ihre erste Mondmission. In der Nacht hob die 350 Millionen Euro teure Raumsonde "Kaguya" von der Insel Tanegashima ab, um sich auf eine 380.000 Kilometer lange Reise zum Mond zu begeben. Allerdings sollte die "Kaguya" zunächst nur ein Jahr lang in einer Höhe von 100 Kilometern über dem Erdtrabanten kreisen und dessen Oberfläche untersuchen. Mittlerweile ist sie dort angekommen und hat eine ihrer Teilmissionen bereits erfolgreich gemeistert: Sie sendete erstmals hochauflösende Bilder des "Erduntergangs". Die Aufnahmen zeigen, wie der Blaue Planet im schwarzen Weltall langsam über dem felsigen Horizont ihres Trabanten emporsteigt oder dahinter versinkt (siehe Video).

"Kaguya" - Nomen est Omen

"Kaguya", der Name der Raumsonde, kommt nicht von ungefähr. Offiziell heißt die Raumsonde "Selene" (Selenological and Engineering Explorer), doch die Japaner tauften sie "Kaguya" - in Anlehnung an den Namen einer japanischen Märchenprinzessin. Kaguya ist die Heldin einer der ältesten japanischen Legenden. Die Erzählung handelt von kinderlosen Bambusschneidern, die im Wald ein winziges, daumengroßes Baby finden. Sie geben ihm den Namen "Kaguya" und ziehen es groß. Die Ziehtochter entwickelt sich zu einer begehrten Schönheit. Doch bevor sie heiraten kann, fängt sie eines Nachts beim Anblick des Mondes an zu weinen. Sie erzählt ihren Eltern, dass sie vom Mond auf die Erde geschickt wurde und jetzt dorthin zurückkehren müsse. Obwohl ihre Eltern alles tun, um dies zu verhindern, kehrt Kaguya schließlich zum Mond zurück.

Internationaler Wettlauf zum Mond

Dass die Japaner die Sonde "Kaguya" nach der Prinzessin, die es schafft auf den Mond zurückzukehren, tauften, hat eine fast suggestive Bedeutung. Denn für die japanische Raumfahrt ist es enorm wichtig, dass ihre Mondmission erfolgreich verläuft. Nach Angaben der japanischen Raumfahrtbehörde ist die Mission die aufwendigste seit dem Ende des Apollo-Programms der USA. Außerdem sei sie der erste Schritt für Japans Ziel, eine bemannte Raumstation auf dem Mond zu errichten.

Wichtig ist das "Kaguya"-Projekt für Japan auch, um sich in der Raumfahrt einen Vorsprung vor China, Indien und den USA bei der Erforschung des Monds zu verschaffen. China etwa schickte erst am 24. Okotober seine erste Sonde auf den Weg zum Mond. Der Erkundungsflug ist der erste Schritt eines ehrgeizigen chinesischen Mondprogramms, in dessen zweiter Phase ein Mondfahrzeug voraussichtlich 2012 auf dem Erdtrabanten landen soll. In der dritten Phase, die für 2017 avisiert wird, sollen sogar Gesteinsproben zur Erde zurückgebracht werden.

DPA/hes DPA

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