Astronomie "Starsearch" in Hamburg-Bergedorf


Bergedorf ist Astrophysikern aus aller Welt ein Begriff. Denn die Hamburger Sternwarte ist führend bei der Suche nach den ältesten Sternen. Den bislang ältesten fanden sie im Jahr 2004.

Erst im vergangenen Jahr entdeckte ein internationales Team von Astrophysikern unter der Beteiligung der Hamburger Forscher Norbert Christlieb und Cora Fechner den wahrscheinlich ältesten bekannten Stern in der Milchstraße.

Seit 1996 ist Christlieb an der Sternwarte, einem Institut des Fachbereichs Physik der Universität Hamburg, um die Himmelskörper aufzuspüren. Bereits im Jahre 2001 entdeckte ein Team unter seiner Leitung den vorherigen Rekordstern. "Beide Sterne haben eine sehr ungewöhnliche chemische Zusammensetzung. Es scheint daher, dass HE0107-5240 und HE1327-2326 die Prototypen einer neuen Klasse von Sternen sind. Über die gilt es nun, mehr heraus zu finden", sagt Christlieb.

Eine Nacht Sternegucken kostet 50.000 Euro

Einige Kollegen hatten den Himmelsbeobachter von seinem Vorhaben abbringen wollen. Utopisch sei es, nach diesen Sternen zu suchen. "Die Theorie sprach dagegen, aber Theorien beruhen auf Annahmen. Ich war mir sicher, dass da noch etwas sein konnte", meint Christlieb. Dank des unbeirrbaren Glaubens des Forscherteams liegt der Wissenschaft nun die Grundlage für neue Erkenntnisse zum Ursprung der Elemente und das Alter des Universums vor - und somit für neue Theorien über das Weltall.

Die Suche und Einordnung der ältesten Sterne ist ein langwieriger Prozess. Am Anfang steht eine Himmelsdurchmusterung mit speziellen Weitwinkelteleskopen, wie dem Ein-Meter-Schmidt-Teleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. In diesem Schritt werden Kandidaten für Sterne mit niedrigem Anteil an schweren Elementen selektiert. Die Kandidaten für metallarme Sterne müssen dann durch Nachbeobachtungen bestätigt werden, denn die Beobachtungszeit an den größten Teleskopen der Welt, mit Spiegeldurchmessern von bis zu 10 Metern, ist sehr kostbar und muss bewilligt werden. Eine Nacht "Sternegucken" kostet rund 50.000 Euro.

Nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall geboren

So untersuchte Cora Fechner von der Hamburger Sternwarte mit dem 3.6m-Teleskop der ESO einige der hellen Sterne aus der so genannten Hamburg/ESO-Himmelsdurchmusterung genauer. "Dieser Stern war eindeutig einer der interessantesten auf unserer Liste. Aber erst Wako Aoki vom Nationalen Astronomischen Observatorium von Japan brachte durch seine Beobachtungen mit dem japanischen Acht-Meter-Subaru- Teleskop auf Mauna Kea, Hawaii, die Gewissheit, dass es sich bei dem Himmelsobjekt um den wahrscheinlich ältesten Stern des Universums handeln könnte", sagte Christlieb. Die Champagnerkorken knallten endlich im Mai 2004.

Der gefundene Stern ist ca. 13,5 Milliarden Jahre alt und nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall geboren. Er ist etwas kleiner als die Sonne, aber heißer. Unklar ist noch, ob das Fundobjekt zur ersten oder zweiten Generation von Sternen gehört. "Um heraus zu bekommen, ob HE1327-2326 und HE0107-5240 Sterne der ersten oder zweiten Generation sind, benötigen wir sowohl zusätzliche Beobachtungen als auch weitere theoretische Rechnungen zur Sternentstehung im frühen Universum", erläutert Christlieb. Das Projekt wird ihn noch mindestens fünf Jahre beschäftigen und fast um den ganzen Globus zu den größten Teleskopen der Welt führen.

Christine Dohler/DPA


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