Erdtrabant Die Magie des Mondes


Er erzeugt bekanntermaßen Ebbe und Flut. Doch kaum einer weiß, dass der Mond die Erdachse und das globale Klima stabilisiert. Ohne diesen Einfluss wäre die Evolution ganz anders verlaufen.

Der Mond ist eine Gesteinskugel von 3476 Kilometer Durchmesser, vermutlich besteht ihr Kern aus Eisen. Auf der Oberfläche reiht sich Krater an Krater; geschlagen wurden diese Narben von Meteoriten, die aus dem Weltraum niederprasselten. Der Trabant besitzt fast keine Atmosphäre, lediglich eine hauchdünne Edelgashülle umgibt ihn.

Er umkreist

die Erde auf einer elliptischen Bahn in einem Abstand von 356 500 bis 406 700 Kilometern. Seinem Planeten wendet er immer dieselbe Seite zu. Diese sehen wir am Nachthimmel strahlen - nicht dank eigener Leuchtkraft, sondern weil sie wie ein Spiegel Sonnenlicht reflektiert. Je nachdem, in welchem Winkel die Strahlen auftreffen, wird die "Erdseite" des Mondes ganz erleuchtet (Vollmond), gar nicht oder nur teilweise. Liegt sie nur teilweise im Licht, scheint der Mond eine Sichel zu formen - deren "Bauch" stets in Richtung der Sonne weist.

Bei jeder Umrundung steht der Trabant, von der Erde aus gesehen, für ein paar Tage vor einem Sternzeichen des "Tierkreises". Die Umrundung selbst dauert 29,5 Tage, dann ist aus unserer Sicht die gleiche Mondphase erreicht. Das entsprach in historischen Kalendern einem "Monat"; dieser wurde später jedoch umnormiert, damit ein Jahr genau zwölf Monate zählt. Noch heute folgen die Muslime einer Zeitrechnung, bei der jeder Monat mit einem Neumond beginnt.

Aufgrund seiner Gravitationskraft erzeugt der Trabant auf der Erde Gezeiten. In den Meeren bilden sich Flutberge und Ebbetäler. Der Globus dreht sich bei seiner täglichen Rotation einmal unter ihnen hindurch. Dass ein zweiter Flutberg auf der dem Mond abgewandten Erdseite existiert, liegt daran, dass in Wirklichkeit nicht der Mond einfach nur um die Erde kreist, sondern beide Himmelskörper um einen gemeinsamen Schwerpunkt rotieren und somit eine Zentrifugalkraft entsteht.

Die Gezeiten wirken wie Bremsbacken auf die Erde: So wird deren Eigendrehung verlangsamt. Wissenschaftler vermuten, dass sich die Dauer eines Tages seit Entstehung des Mondes von einst fünf auf heute 24 Stunden ausgedehnt hat.

Der Mond stabilisiert mit seiner Gravitationskraft den Neigungswinkel der Erdachse, der für die Jahreszeiten verantwortlich ist. Im Laufe vieler Jahrtausende schwankt und kreiselt die Achse ein wenig - aufgrund der Anziehungskräfte des übrigen Planetenensembles und der Sonne. Gäbe es den Mond nicht, würde die Lage der Achse derart kippen, dass im nördlichen Sommer die Sonne über dem Nordpol monatelang fast im Zenit stünde. Ein großer Teil der südlichen Hemisphäre bliebe dann im Dunkel. Das aber würde die Lebensbedingungen auf dem Globus völlig umkrempeln. Wahrscheinlich wäre die Evolution ganz anders verlaufen - vielleicht hätte es den Menschen nie gegeben.

Noch immer wissen Astrophysiker nicht, wie unser Planet zu seinem Begleiter gekommen ist. So könnte der Mond ein Körper des Sonnensystems gewesen sein, den sich die Erde kurz nach ihrer Entstehung einfing. Er könnte sich aber auch durch einen gigantischen Crash gebildet haben. Dann, so die inzwischen vorherrschende Theorie, wäre der Globus vor 4,4 Milliarden Jahren, kurz nach seiner Entstehung, mit einem mächtigen Asteroiden kollidiert. Der hätte einen Teil aus dem Planeten herausgerissen - die Trümmer formten sich zum Mond.

Horst Güntheroth print

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