ISS Riskanter Einsatz im All


Eine heikle Mission: In stundenlanger Handarbeit haben zwei russische Astronauten einen Defekt an der Raumkapsel "Sojus" repariert. Sie entfernten einen fehlerhaften Sprengbolzen, der beim Heimflug zur Erde zu einer Bruchlandung führen könnte.

Bei einem riskanten Außeneinsatz im All haben zwei Kosmonauten der Internationalen Raumstation ISS eine angedockte Sojus-Kapsel repariert. Zum ersten Mal in der Geschichte der russischen Raumfahrt schraubten die Weltraum-Neulinge Sergej Wolkow (35) und Oleg Kononenko (44) bei dem mehr als sechsstündigen Einsatz in der Nacht zum Freitag einen möglicherweise defekten, acht Zentimeter langen Bolzen ab. Der Sprengbolzen ist einer von zehn seiner Art, die dazu dienen sollen, zwei Teile der "Sojus" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu trennen. Ein solcher Defekt könnte die Ursache dafür sein, dass die letzen beiden Sojus-Rückflüge zur Erde mit Bruchlandungen endeten.

In der russischen Flugleitzentrale herrschte während der Arbeit des Duos stundenlang angespannte Stimmung. "Seid vorsichtig, nehmt euch Zeit", hieß es in der Bodenzentrale. Einen solchen Einsatz habe es in der mehr als 40-jährigen Geschichte der Sojus-Raumschiffe noch nicht gegeben, sagte der russische Weltraumveteran Alexander Wolkow. Er ist der Vater des derzeitigen ISS-Kommandeurs Wolkow.

Zunächst mussten die Kosmonauten ein Gewirr von Zündkabeln kappen. "Mir tut unser Raumschiff leid", sagte Kononenko, während er sich an der Außenhaut der Sojus-Kapsel zu schaffen machte. Der entfernte Bolzen wurde in einem explosionssicheren Behälter verstaut. Er soll im Oktober für eine Untersuchung zur Erde gebracht werden.

Bei zwei "Sojus"-Landungen im April und im Oktober 2007 funktionierte dies nicht wie geplant, so dass die Kapsel vom geplanten Kurs abkam und heftig auf die Erde aufschlug. Die Crew entging russischen Experten zufolge nur knapp einer Katastrophe. Durch die Entfernung eines Bolzens soll dies bei der nächsten Rückkehr im Oktober vermieden werden.

Üblicherweise werden die Außeneinsätze noch auf der Erde genau durchgeplant und geübt. Wolkow und Kononenko mussten dagegen improvisieren, da vor ihrem Start zur ISS im April der Bolzen noch nicht als mögliche Fehlerursache galt. Für beide Russen ist der Aufenthalt auf der ISS der erste Weltraumeinsatz überhaupt.

Der Ausstieg hatte sich um 40 Minuten verzögert, weil der Funkkontakt zur Erde plötzlich abgerissen war. Nach genau 6 Stunden und 18 Minuten konnten die Kosmonauten dann nach erfolgreichem Abschluss ihrer Mission die Ausstiegsluke wieder schließen. Während ihrer Abwesenheit war der dritte Mann auf der Station, der US- Astronaut Greg Chamitoff, sicherheitshalber in die Sojus-Kapsel gewechselt. "Danke für einen tollen Job", gratulierte die Bodenzentrale. Am kommenden Dienstag werden Wolkow und Kononenko erneut zu einem Außeneinsatz ins All schweben.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker