ISS-Sonnensegel verklemmt Mammut-Einsatz ohne Erfolg

Sieben Stunden lang mühten sich zwei Astronauten auf der ISS, um ein verklemmtes Sonnensegel einzuholen - vergebens. Wenn der nächste Versuch am Montag nicht gelingt, muss Thomas Reiter um Weihnachten mit der Familie bangen: Seine Rückkehr zur Erde verzögert sich.

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter muss wegen eines klemmenden Solarsegels einen Tag länger im All bleiben als geplant. Die US-Weltraumbehörde setzte nach dem insgesamt als erfolgreich gewerteten dritten Außenbordeinsatz in der Nacht zum Sonntag einen außerplanmäßigen vierten für den Montag an. Die Landung der Raumfähre "Discovery" verschiebt sich deshalb um einen Tag auf den kommenden Freitag.

"Olympische Leistung"

Den Astronauten Robert Curbeam und Sunita Williams war es in der Nacht zu Sonntag trotz des ungewöhnlich langen Außeneinsatzes nicht gelungen, das teilweise verklemmte Sonnensegel einzuholen. Die beiden US-Raumfahrer, eine frühere Marinetaucherin und ein trainierter Kraftsportler, mühten sich unter schwierigen Bedingungen siebeneinhalb Stunden außerhalb der Station ab. Zwei Raumfahrer werden am Montag erneut einen Außenbordeinsatz starten, um das Problem zu lösen, sagte ein Sprecher der Weltraumbehörde Nasa am frühen Sonntagmorgen (MEZ) in Houston.

Bei dem dritten Außeneinsatz binnen einer Woche war es den beiden Astronauten zwar wie geplant gelungen, die Kabelarbeiten zu beenden, so dass die ISS nun über ein neues stabiles Stromversorgungsnetz verfügt. Ihre über zweistündigen Bemühungen im Anschluss, das verklemmte, 35 Meter breite Sonnensegel vollständig einzuholen, hatten den Angaben zufolge aber trotz der außergewöhnlich langen Zeit außerhalb der Station keinen Erfolg.

"Das war eine olympische Leistung", kommentierte die Bodenkontrolle aus der Ferne den Arbeitstag außerhalb der ISS. Der längste Außenbordeinsatz in der Geschichte der Internationalen Raumstation hatte der Nasa zufolge im März 2001 genau acht Stunden und 56 Minuten gedauert.

Neuer Versuch am Montag

Zwar sind nun die alten Solarsegel soweit zusammengefaltet, dass die im September montierten Solarflügel ausreichend Platz zum Rotieren haben und sich damit zur Sonne hin ausrichten können. Allerdings will die Nasa versuchen, die Segel vollständig einzuholen, um sie möglicherweise an einer anderen Stelle der Weltraumstation anzubringen. Diese Aufgabe sollen am Montag die erfahrenen "Außendienstler" Curbeam und Christer Fuglesang aus Schweden erledigen.

Für die Arbeiten am Samstag waren erneut weite Teile der Stromversorgung der ISS vorübergehend als Vorsichtsmaßnahme ausgeschaltet worden. Die Umstellung des bisher nur provisorischen ISS-Stromversorgungsnetzes ebnet nach Nasa-Angaben den Weg zum weiteren Ausbau der Station. Die bessere Stromversorgung erlaube es vor allem auch, ein europäisches sowie ein japanisches Forschungslabor in den Jahren 2007 und 2008 an die ISS anzuschließen.

DPA/AP AP DPA

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