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Meteoriten: "Feuerbälle" über Spanien

Tausende von Spaniern blickten gebannt in den Himmel, als ein Meteorit über der Iberischen Halbinsel zerbarst. Der Abendhimmel war von "Feuerbällen" übersät.

Tausende von Spaniern blickten gebannt in den Himmel. Ein Meteorit zerbarst über der Iberischen Halbinsel und übersäte den Abendhimmel mit "Feuerbällen". In Nordspanien stürzten nach Augenzeugenberichten Brocken des außerirdischen Gesteins auf die Erde. An der Mittelmeerküste im Osten des Landes lösten aufschlagende Teilchen kleinere Buschbrände aus. Menschen kamen nicht zu Schaden. Es entstanden auch keine größeren Sachschäden. Die Polizei suchte am Montag mit Hubschraubern nach Steinbrocken aus dem All.

"Rasende Sterne am Himmel"

Das seltene Himmelsphänomen konnte am Vorabend fast in der gesamten Nordhälfte der Iberischen Halbinsel beobachtet werden. In Nordportugal, in Madrid oder in Valencia an der Mittelmeerküste riefen Menschen verängstigt in den Notrufzentralen an. Die einen glaubten, ein "brennendes Flugzeug" gesehen zu haben, andere wollten "über den Himmel rasende Sterne" beobachtet haben.

Unter den ersten, die den Meteoriten zu Gesicht bekamen, waren die Zuschauer im Fußballstadion von Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Sie richteten den Blick plötzlich vom Spielfeld in den Himmel. "Man sah einen roten Ball am Himmel. Er zog weißen Rauch hinter sich her", schilderte ein Augenzeuge.

Feuerbälle rasten in ein Waldgebiet

Unter den Zuschauern im Stadion war auch der Astronom José Angel Docobo. "Nach der Höhe und dem Neigungswinkel dürfte der Meteorit etwa 50 bis 100 Tonnen schwer gewesen sein", meinte der Wissenschaftler. Etwas weiter östlich - über der Provinz León - zerfiel der Himmelskörper beim Eintreten in die Erdatmosphäre in winzige Stückchen. "Es gab einen lauten Knall wie bei einer Explosion", berichtete die Gastwirtin Elena Macho. "Die Fensterscheiben vibrierten. Wir bekamen einen Riesenschrecken." Mehrere Augenzeugen sahen, wie "Feuerbälle" in ein Waldgebiet stürzten.

Dass Gesteinsbrocken aus dem All auf der Erde einschlagen, kommt relativ häufig vor. Nach Expertenschätzungen erreichen pro Jahr mehr als 19 000 Meteoriten mit einer Masse von über 100 Gramm die Erdoberfläche. Normalerweise nimmt dies jedoch niemand wahr, weil die nicht verglühten Brocken ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet fallen. Höchstens 10 Meteoriten im Jahr werden gefunden.

Das Außergewöhnliche an dem Meteoriten in Spanien war, dass er vor Einbruch der Dämmerung bei Tageslicht beobachtet werden konnte. "So etwas sieht man nur ganz selten, selbst wenn man Astronom ist", berichtete der Astrophysiker José María Quintana. "Es ist nur eigenartig, dass keine der zahlreichen Beobachtungsstation Alarm schlug."

Von Hubert Kahl, dpa