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Premiere in der Raumfahrt Sonde "Rosetta" erreicht geheimnisvollen Zielkometen


Zum ersten Mal erreicht ein Forschungsmodul einen Kometen. Dank "Rosetta" könnten wir schon bald mehr darüber wissen, wie Leben entsteht. Wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen zur Mission.

Das Rendevouz kann beginnen: Nach einer langwierigen Reise durchs All erreicht die Raumsonde "Rosetta" am Mittwoch die Umlaufbahn ihres Zielkometen "Tschuri". Noch nie wurde ein Forschungsmodul auf einem Kometen abgesetzt. Dem Himmelskörper sollen Informationen über die Anfänge des Sonnensystems entlockt werden. Ein passender Landeplatz muss jedoch noch gesucht werden - das wird "Rosettas" Aufgabe der nächsten Wochen sein. Ein Überblick über die Mission:

Was ist Ziel des Projekts?

Mit "Rosetta" will die europäische Weltraumorganisation Esa einen der ursprünglichsten Himmelskörper erkunden - Kometen sind Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems. Von ihrer Erforschung erhoffen sich Wissenschaftler auch Hinweise auf die Entstehung des Lebens, etwa in Form bestimmter Proteine - den Bausteinen des Lebens.

Wie lang ist "Rosetta" schon unterwegs?

Vor gut zehn Jahren, am 2. März 2004, hob "Rosetta" an Bord einer "Ariane 5"-Rakete ab. Seitdem umkreiste der Kometenjäger fünf Mal die Sonne und nahm bei drei Vorbeiflügen an der Erde und einem #link;http://www.stern.de/wissen/kosmos/raumsonde-rosetta-passiert-den-mars-583345.html;Vorbeiflug am Mars# Geschwindigkeit auf. Rund 6,4 Milliarden Kilometer ist "Rosetta" nun schon durch das Sonnensystem gereist. Nun beginnt die Suche nach einem Landeplatz für "Philae", die Landeeinheit der einzigartigen Mission. Im November schließlich soll das Minilabor auf dem Kometen aufsetzen. "So etwas hat noch niemand gemacht", sagt Esa-Flugdirektor Paolo Ferri.

Was ist über den Kometen bekannt?

"67P/Tschurjumow-Gerassimenko", Spitzname "Tschuri", besteht aus zwei verschieden großen Teilen. Seine Temperatur liegt nach bisherigen Messungen im Schnitt bei minus 70 Grad. Vollständig mit Eis bedeckt ist der Komet wohl nicht, sondern mit dunklem, staubigen Material, vermuten Forscher. Einzelne Eisregionen könne es aber geben. Angenommen wird zudem eine sehr raue Oberflächenbeschaffenheit. Die vielen Ungewissheiten lassen die Landung von "Philae" zur heikelsten Phase der Mission werden. "Vieles von dem Kometen wissen wir noch nicht", sagt Stephan Ulamec, der "Philae"-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Das ist gerade die größte Herausforderung, dass wir auf einem Kometen landen wollen, den wir noch nicht kennen."

Was für Instrumente sind an Bord von "Rosetta"?

Die Raumsonde hat elf Instrumente dabei. Vier von ihnen entstammen deutscher Projektleitung. "Osiris" zum Beispiel kommt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. Es ist ein hochauflösendes Kamerasystem, mit dem die Form, Größe, Rotation und chemisch-mineralogische Zusammensetzung der Kometenoberfläche erfasst wird. Die knapp einen Kubikmeter große "Rosetta"-Landeeinheit "Philae" hat zehn Instrumente an Bord, unter anderem ein System aus Sensoren für die Temperaturmessung auf und unter der Oberfläche.

Was passiert nun?

Am 6. August soll "Rosetta" nach zehn Kursmanövern endgültig auf die gewünschte Umlaufbahn um "Tschuri" gehen. Dann ist "Osiris" gefordert: Aus zunächst 100 und dann schrittweise bis zehn Kilometern Höhe wird die Oberfläche des Kometen kartographiert. Bis Oktober soll ein passender Landeplatz für "Philae" ausgewählt sein. Für November ist der heikelste Punkt geplant: das Absetzen der Landeeinheit.

Wie teuer ist das Projekt?

Gut eine Milliarde Euro kostet das Projekt. Es steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

mh/DPA DPA

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