Raumfähre "Discovery" "Houston, wir haben kein Problem"

Diese Shuttle-Mission sorgt endlich wieder für ungetrübte Freude bei der Nasa. Alles läuft perfekt auf der "Discovery": Der Hitzeschild blieb heil, das Andockmanöver war "traumhaft" und der erste Außenbordeinsatz wurde in Rekordzeit absolviert. Trauer nur bei Thomas Reiter: Die Mission seines Lebens geht zu Ende.

Schon lange verlief eine Shuttle-Mission für die Nasa nicht mehr so reibungslos wie diese. Die Raumfähre "Discovery" legte den ersten Nachtstart seit der "Columbia"-Katastrophe hin - ohne Probleme. Keine der empfindlichen Hitzeschildkacheln wurde durch abplatzende Schaumstoffteile beschädigt. Ein Problem, das im Jahr 2003 zur Explosion des Shuttles "Columbia" geführt hatte und das die Nasa noch immer nicht im Griff hat. 2005 sorgten beschädigte Hitzeschildkacheln nach einem "Discovery"-Start wieder für Aufregung und mussten in einer spektakulären Aktion im All repariert werden.

Provisorisches Stromnetz der ISS wurde ersetzt

Von diesen Problemen diesmal verschont, verlief das Andockmanöver an die Internationale Raumstation ISS nach den Worten des Shuttle-Flugdirektors Tony Ceccacci so perfekt, "wie man es sich nur erträumen kann". Das anstrengendste aber für die Astronauten der "Discovery" sind die insgesamt drei Außenbordeinsätze der Internationalen Raumstation. Den ersten haben sie bereits erfolgreich gemeistert.

Der schwedische Astronaut Christer Fuglesang und der Amerikaner Bob Curbeam montierten eine etwa zwei Tonnen schwere containerförmige Vorrichtung an der Raumstation und ersetzten das bislang nur provisorische Stromnetz der ISS. Von der Station aus steuerten die US-Astronautinnen Joan Higginbotham und Sunita Williams den Container mit einem Roboterarm an die richtige Stelle. Dann zogen ihre Kollegen Fuglesang und Curbeam außen die Schrauben an und schlossen die Kabel an. An der neuen Vorrichtung sollen im kommenden Jahr weitere Segel mit Solarzellen zur Stromversorgung der Raumstation montiert werden.

Ohne die begonnenen Verbesserungen sei ein weiterer Ausbau der Station nicht möglich. Trotz der Schwierigkeit der Arbeit habe der Außeneinsatz statt sechs nur etwa vier Stunden gedauert, teilte die Bodenkontrolle mit.

Thomas Reiter nimmt Abschied

Nur wenige Stunden nach dem Andocken des Shuttle an die Raumstation begann für Thomas Reiter der Abschied von der Mission seines Lebens. Der Deutsche, der über fünf Monate auf der ISS verbracht hatte, wurde von der angereisten Amerikanerin Sunita "Suni" Williams abgelöst. Reiter zog mit Sack und Pack in die "Discovery" um.

Es war ein bitter-süßer Moment für den Deutschen: Er freut sich nach eigenen Angaben sehr auf daheim, auf das Wiedersehen mit der Familie und Freunden, aber natürlich war er gern im All und hat jede Minute genossen.

Reiter hatte jahrelang auf diesen Einsatz warten müssen. Immer wieder war seine Mission verschoben worden. Seit 2001 hielt sich Reiter wegen mehrfacher Startverschiebungen im Europäischen Astronautenzentrum in Köln-Porz, in dem russischen Swjosdny Godorok, dem "Sternenstädtchen", und im texanischen Houston fit. Sein Flug zur ISS war dann für Juli 2005 neu angesetzt worden, doch die Startverschiebung für die "Discovery" und die Shuttle-Krise der Nasa hatten ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Stühlerücken auf der ISS

Für Reiter und Williams wurde der Wechsel mit dem Austausch ihrer Spezialsitze offiziell: Der des Deutschen wurde von der angedockten Sojus-Kapsel in den Shuttle gebracht, der seiner Nachfolgerin ging den umgekehrten Weg. Schon beim Annähern an die ISS hatte sich Williams die Nase an einem Shuttle-Fenster platt gedrückt und über ihr neues Zuhause geschwärmt: "Es sieht so schön aus."

Wenn weiterhin alles so glatt verläuft, wird Thomas Reiter am 21. Dezember wieder auf die Erde zurückkehren und pünktlich zu Weihnachten zuhause sein.

lub mit Agenturen

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