VG-Wort Pixel

Rosat-Absturz steht kurz bevor Der Tag, an dem uns der Himmel (wohl nicht) auf den Kopf fällt


Die Einwohner eines bekannten gallischen Dorfes fürchteten nur eins: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Wer selbiges nun befürchtet, wenn der Satellit Rosat in die Erdatmosphäre eintritt, sei beruhigt: Die Chance, dass Trümmerteile einen Menschen in Deutschland treffen, beträgt nur 1:700.000.

Der abstürzende Röntgensatellit Rosat soll nach jüngsten Berechnungen in der Nacht zum Sonntag oder am Sonntagvormittag in die Erdatmosphäre eintreten. Dies gab das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Freitag bekannt. Der Sprecher betonte aber, dass sich diese Angaben noch deutlich ändern könnten. Die nächste Aktualisierung sollte am Samstagabend erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die erwarteten maximal 30 Trümmerteile mit einem Gesamtgewicht von bis zu 1,7 Tonnen über Deutschland abstürzen, liegt laut DLR bei eins zu 580. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Menschen in Deutschland treffen, eins zu 700 000.

Am Freitag raste das Raumfahrzeug mit den Ausmaßen 2,20 mal 4,70 mal 8,90 Metern weiter mit fast 28 000 Kilometern pro Stunde um die Erde und verlor dabei an Höhe. Von einst 580 Kilometern sank Rosat bis Anfang September auf noch 290 Kilometer und hatte nach letzten Berechnungen vor einigen Tagen noch gut 200 Kilometer Abstand zur Erde.

Experten erwarten nicht, dass der 2,5 Tonnen schwere Satellit Unheil anrichtet. Auch wenn nicht alle Teile bei dem rasanten Sturz durch die Atmosphäre verglühen, sei die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens äußerst gering. Als größtes Schrottstück mit einem Gewicht von bis zu 1,6 Tonnen könnte allerdings der Spiegel auf die Erde herabfallen - was wohl einen Krater von mehreren Metern Durchmesser verursachen würde.

Satellit lieferte die ersten Röntgenbilder vom Mond

Der Röntgensatellit Rosat war im Juni 1990 von Florida aus ins All gestartet, um den Himmel mit einem Teleskop auf Quellen von Röntgenstrahlen abzusuchen. Da die Erdatmosphäre Röntgenstrahlen absorbiert, kann man die Strahlen nicht von der Erde aus untersuchen.

Die Ergebnisse, die Rosat lieferte, zeigten, dass fast alle astronomischen Objekte Röntgenstrahlen abgeben. So lieferte der Satellit die ersten Röntgenbilder vom Mond und fing Röntgenstrahlen von Kometen ein, beobachtete Neutronensterne und Galaxien und entdeckte Schwarze Löcher sowie Überreste von Supernova-Explosionen. Rosat wurde von rund 4000 Forschern aus 24 Ländern genutzt.

Bis Februar 1999 war Rosat im Einsatz, dann fiel ein Sensor aus, der Satellit wurde irreparabel beschädigt. Daraufhin wurde das 2,5 Tonnen schwere Gerät abgeschaltet.

jwi/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker