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Weltraumteleskop: "Hubble" sichtet bisher älteste Galaxie

US-Astronomen sind mithilfe des Weltraumteleskops "Hubble" womöglich Bilder von der ältesten und von der Erde am weitesten entfernten Galaxie des Alls gelungen. Diese stammt aus einer Zeit kurz nach dem Urknall.

Vor etwas mehr als anderthalb Jahren, im Mai 2009, hatte "Hubble" noch eine neue Kamera bekommen - eine Investition, die sich inzwischen ausgezahlt hat, denn das Weltraumteleskop hat erneut spektakuläre Bilder von fernen Galaxien aufgenommen, dieses Mal möglicherweise von der bisher ältesten Galaxie im Weltall.

Die Sterneninsel ist so weit entfernt, dass ihr Licht 13,2 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war, berichtet ein internationales Astronomenteam im britischen Fachjournal "Nature". Das ist fast so lang wie das Universum alt ist. Das Licht sei "nur" rund 480 Millionen Jahre nach dem Urknall ausgesendet worden - keine lange Zeit für kosmische Verhältnisse, denn der Urknall hat Expertenschätzungen zufolge vor etwa 13,7 Milliarden Jahren stattgefunden. Sollte sich ihre Entdeckung bestätigen, wäre diese ferne Galaxie eine der ersten überhaupt, die im Kosmos entstanden ist.

Hundertmal kleiner als die Milchstraße

Der 13,2 Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxiekandidat ist hundertmal kleiner als die Milchstraße und mehr als 5000 Mal weiter entfernt als unsere nächste große Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel. "Wir kommen den ersten Galaxien, von denen wir glauben, dass sie sich 200 bis 300 Millionen Jahre nach dem Urknall geformt haben, sehr nahe", sagt Co-Autor Garth Illingworth von der Universität Kalifornien in Santa Cruz. Die jüngsten Aufnahmen seien jedoch an der Grenze dessen, was "Hubble" technisch leisten könne.

Die Astronomen um Garth Illingworth und Hauptautor Rychard Bouwens waren mithilfe des "Hubble Ultra Deep Field" (HUDF) auf diese alte Galaxie gestoßen. Das HUDF bezeichnet die Langzeitbelichtung eines besonders sternenarmen Himmelsbereichs. In diesem Fall dauerte sie insgesamt 87 Stunden und enthüllte Hunderte ferne Galaxien in einem Ausschnitt, der von uns aus betrachtet nur so groß ist wie ein Zehntel der Mondfläche.

Solche Aufnahmen helfen den Forschern, genauer zu verstehen, wann die Galaxien in der ersten Zeit nach dem Urknall entstanden sind. Deren Alter bestimmen sie anhand des ausgesandten Lichts: Bei der Ausdehnung des Universums entfernen sich die Galaxien voneinander und die Wellenlänge ihrer Strahlen vergrößert sich. Durch die Verschiebung in den Rot-Bereich lässt sich die "Reisezeit" der Lichtstrahlen feststellen. Je länger das Licht braucht, desto stärker ist diese Rotverschiebung. Bei der neu entdeckten Galaxie stellten die Wissenschaftler eine Rekordverschiebung ins Rote fest.

"James Webb" soll Ergebnisse bestätigen

Bereits bei früheren Nachforschungen hätten die Astronomen 47 Galaxien gefunden. Die seien jedoch zu einem späteren Zeitpunkt entstanden, als das Universum ungefähr 650 Millionen Jahre alt war, berichtet Illingworth. Der jetzt entdeckte Galaxie-Kandidat sei 170 Millionen Jahre früher entstanden - einen weiteren, der so alt ist wie dieser, hätten sie nicht gefunden. Das Universum habe sich in kurzer Zeit rasch gewandelt. Unter anderem sei damals die Sternenproduktion auf das Zehnfache hochgeschnellt.

Zwar haben die Autoren Monate investiert, um die Ergebnisse zu überprüfen und sind sich ziemlich sicher, dass sie stimmen. Eine endgültige Bestätigung der Entdeckung erwarten die Astronomen dennoch erst vom "Hubble"-Nachfolger "James Webb", den die Nasa in drei Jahren ins All bringen will.

spo/DPA/AFP / DPA
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