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Eifersucht: Wie Männer und Frauen ticken

Eifersucht ist ein uraltes, starkes Gefühl. Wie Männer und Frauen sich dabei unterscheiden, haben Forscher untersucht - und festgestellt, dass es auch einen Unterschied zu Homosexuellen gibt.

Von Sonja Helms

Studien zeigen, dass Frauen emotionale Untreue eher zu schaffen macht als der körperliche Akt an sich. Bei Männern ist es umgekehrt. Das gilt aber nur für heterosexuelle Menschen.

Studien zeigen, dass Frauen emotionale Untreue eher zu schaffen macht als der körperliche Akt an sich. Bei Männern ist es umgekehrt. Das gilt aber nur für heterosexuelle Menschen.

Wenn der Partner fremdgeht, ist das eine tiefe Kränkung, und zwar für jeden Menschen, unabhängig vom Geschlecht. Allerdings reagieren Männer und Frauen offenbar durchaus unterschiedlich darauf.

Während Männer eher der körperliche Akt kränkt, trifft Frauen vor allem emotionale Untreue. Das war das Ergebnis etlicher Studien, und auch eine neue bestätigt dieses Phänomen - mit einer interessanten Ergänzung: Das gilt nur für heterosexuelle Menschen, wie die Forscher David A. Frederick und Melissa R. Fales von der US-amerikanischen Chapman University in Orange, Kalifornien, zeigten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Archives of Sexual Behavior".

Ihre Studie schloss knapp 64.000 US-Amerikaner zwischen 18 und 65 Jahren ein. Den Autoren zufolge ist sie die größte, die es zum Thema Eifersucht bis jetzt gibt. Frederick und Fales untersuchten erstmals nicht nur Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Sie prüften auch, ob die sexuelle Orientierung einen Einfluss auf die Reaktion hat.

Körperliche versus emotionale Untreue

Die befragten Teilnehmer sollten sich zwei Szenarien vorstellen und sagen, welche sie mehr treffen würde: Ihr Partner hat Sex mit einer anderen Person, in die er nicht verliebt ist. Oder: Der Partner verliebt sich in jemand anderen, ohne Sex mit ihm gehabt zu haben. Hier bestätigte sich bei heterosexuellen Personen erneut der klassische Unterschied: Männer stört der sexuelle Akt an sich eher als das emotionale Fremdgehen, bei Frauen ist es umgekehrt.

Interessant war: Bei bi- und homosexuellen Männern und Frauen war dieser Unterschied nicht so deutlich ausgeprägt. Rund 70 Prozent der bisexuellen Personen, Männern wie Frauen, machte die emotionale Untreue mehr zu schaffen als der körperliche Akt, und zwar unabhängig davon, ob sie mit einem Mann oder einer Frau zusammen waren. Bei schwulen Männern und lesbischen Frauen war es ähnlich.

Angriff auf die Männlichkeit

Bei Untreue störten sich also in der Mehrheit heterosexuelle Männer am sexuellen Akt. Sie unterschieden sich damit von allen anderen Gruppen, sagt Hauptautor Frederick. Das ist für ihn eine neue und wichtige Erkenntnis, zumal die Haltung von homo- und bisexuellen Frauen und Männern in der Geschichte der Psychologie unzureichend untersucht und analysiert worden sei.

In der Vergangenheit bemühten Forscher immer wieder die Evolution, um zu erklären, warum Männer und Frauen unterschiedlich eifersüchtig sind. Männer hätten im Gegensatz zu Frauen stets das Problem, dass sie nie genau wüssten, ob ein Kind wirklich von ihnen sei. Frauen hingegen drohe der Verlust des Versorgers, wenn ihr Partner sich von ihnen abwende. Das ist nicht unumstritten: Vertreter des soziokulturellen Ansatzes behaupten, es gebe keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Die Forscher dieser Studie folgen eher dem evolutionären Ansatz und meinen, es sei eine Frage der Sozialisation. Männer würden sehr maskulin erzogen. Die Vorstellung von Männlichkeit sei mit großer sexueller Leistungsfähigkeit verknüpft. Die körperliche Untreue einer Partnerin stelle diese Leistungsfähigkeit infrage und bedrohe somit die Männlichkeit - weshalb die Herren empfindlicher darauf reagieren als auf emotionale Untreue. Einer Frau hingegen werde beigebracht, dass sie eher die emotionale "Versorgerin" in einer Beziehung sei. Verliebe sich der Partner in eine andere Frau, könne das ihren Selbstwert daher mehr bedrohen, als wenn er nur in fremde Betten steige.

Unterschied zwischen Jung und Alt

Wie letztlich jemand auf Untreue reagiert, wird wahrscheinlich von persönlichen Faktoren und der Umwelt geformt, vermuten die Forscher. Der geschlechtsspezifische Unterschied zeigte sich über alle Altersgruppen und alle Einkommensklassen hinweg. Weder spielte die Art oder Länge der Beziehung eine Rolle, noch die Frage, ob eine Person in der Vergangenheit schon einmal betrogen wurde oder selbst untreu war. Allerdings würden jüngere Menschen heftiger auf das Fremdgehen reagieren als ältere.

"Eifersucht kann ein sehr schädigendes und gewalttätiges Verhalten hervorrufen, daher ist es wichtig, die stärksten Auslöser von Eifersucht zu verstehen", sagt Frederick.

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