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Evolution des Menschen: Warum der Penisknochen verschwand

Makaken und Mäuse haben ihn, Menschen nicht: den Penisknochen. Warum Männer im Laufe der Evolution "entknöchert" wurden, haben Wissenschaftler nun herausgefunden.

Nicht nur die Größe unseres Gehirns und die Tatsache, dass wir aufrecht gehen, unterscheidet uns von unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen. Ein weiterer Unterschied ist unser Sexualverhalten. Denn im Gegensatz zu Makaken und Mäusen ist bei Menschen der Penisknochen (Os penis) im Laufe der Evolution verschwunden.

Warum das so ist, haben Forscher der Universität Stanford (US-Staat Kalifornien) nun herausgefunden. Im Laufe der Evolution habe der Mensch eine bestimmte DNA-Steuersequenz verloren, was vermutlich zur "Entknöcherung" des Geschlechtsteils geführt habe, heißt es im Fachjournal "Nature".

Das Team um Gill Bejerano untersuchte 510 Genabschnitte, die beim Menschen heute nicht mehr vorkommen, aber im Erbgut von Schimpansen und anderen Tieren erhalten sind. Meistens handelt es sich dabei um nicht kodierende DNA, also um Sequenzen, die keine Informationen zur Herstellung von Eiweißen enthalten. Dennoch können diese Schnipsel wichtige Funktionen besitzen: Durch sie kann etwa geregelt werden, ob ein benachbartes Gen abgelesen wird und damit aktiviert ist oder nicht.

Monogame Lebensweise als Grund

Der Verlust einer solchen regulierenden Sequenz in der Nähe des sogenannten Androgen-Rezeptorgens hat den Forschern zufolge unter anderem zum Schwund des Penisknochens beim Menschen geführt.

Doch mit welchem Sinn? Der Penisknochen trägt Wissenschaftlern zufolge bei manchen Säugern, Raubtieren und größeren Nagetieren zur Versteifung des Glieds bei. Einen Vorteil habe dies, da sich Schimpansen bei der Begattung in einer Konkurrenzsituation befänden, und viele männliche Tiere um eines oder nur wenige empfängnisbereite Weibchen buhlen, erläutert der ebenfalls an der Studie beteiligte Anthropologe Philip Reno. Der Penisknochen begünstige in diesem Fall die schnelle Kopulation, da er zur Versteifung des Gliedes beitrage.

Die Vorfahren des Menschen hingegen hätten sich zu stabilen Paarbeziehungen und einem Leben in der Gruppe hin entwickelt. Ohne den Penisknochen, angewiesen auf einen funktionierenden Schwellkörper, könnte sich der Geschlechtsakt verlängert und damit auch die Paarbindung verstärkt haben, vermuten die Forscher. Dies sei wiederum günstig für ein gemeinsames Aufziehen des Nachwuchses gewesen.

DPA/lea / DPA
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