Genom-Entschlüsselung Erbgut-Analyse zum Schnäppchenpreis


Die Genforschung entwickelt sich rasant: Forscher haben in nur acht Wochen ein menschliches Genom entziffert. Die Kosten lagen bei 250.000 Dollar. Im nächsten Jahr, so das ehrgeizige Ziel, soll dies für 5000 Dollar möglich sein. Kennen wir bald alle unser Erbgut im Detail?

Gleich drei Forscherteams berichten im Fachmagazin "Nature", dass sie unabhängig voneinander je ein menschliches Genom entschlüsselt haben: Entziffert wurde das komplette Erbgut eines anonymen Afrikaners vom Volk der Yoruba aus Nigeria, das eines Han-Chinesen sowie das einer Frau, die an Blutkrebs erkrankt war. Die Wissenschaftler nutzten ein neues Verfahren des Biotechnik-Unternehmens Illumina. Die Entschlüsselung klappte nicht nur in rasantem Tempo, sondern kostete nach Angaben der Forscher auch erstaunlich wenig.

David Bentley und seine Kollegen, die das Erbgut eines Afrikaners entzifferten, geben an, dass sie nur acht Wochen dafür brauchten. Die Kosten lagen bei 250.000 Dollar (rund 160.000 Euro). Zum Vergleich: Das Humangenomprojekt, bei dem erstmals ein menschliches Genom komplett entschlüsselt wurde, dauerte 13 Jahre und verschlang etwa 300 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr veranschlagten Wissenschaftler für die Sequenzierung des Erbguts von James Watson - des Entdeckers des Erbmoleküls DNA - noch ein bis zwei Millionen Dollar.

Einblick ins Genom für 5000 Dollar

Illumina ist nicht die einzige Firma im Rennen um die schnellste und günstigste Genom-Entzifferung. So kündigte das US-Unternehmen Complete Genomics an, im kommenden Jahr ein menschliches Genom für 5000 Dollar zu entziffern.

Schreitet die Technik tatsächlich so schnell voran, können bald viele Menschen ihren DNA-Code - und damit potenziell bedrohliche Mutationen - kennen. Daher warnen einige Forscher vor dem Missbrauch der Informationen. Der Umgang mit den genetischen Daten müsse geregelt werden, bevor das Wissen nicht mehr rückholbar in der Welt ist. Anderenfalls hätten womöglich Behörden, Versicherungen, Arbeitgeber, Werbetreibende oder andere unberechtigte Interessenten Zugriff auf diese zutiefst persönlichen Daten.

Gentests oft unsicher

Der Molekulargenetiker Nils von Neuhoff vom Institut für Zell- und Molekularpathologie der Medizinischen Hochschule Hannover rechnet damit, dass bei fallenden Preisen über kurz oder lang jeder Mensch, der es will, sein vollständiges Genom kennen und auf Mutationen untersuchen kann. Seine Warnung: "Wenn der Mensch dann keinen Humangenetiker an seiner Seite hat, der dies alles so genau erklärt, wie wir es in der Beratung tun, könnte sich ein labiler Mensch angesichts des Risikos durchaus etwas antun."

Gentests für Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes sind ohnehin eine sehr unsichere Sache: Sie entstehen, wie viele andere Leiden auch, aus einer Kombination zahlreicher Ursachen, die gar nicht alle bekannt sind - geschweige denn die vielfältigen Zusammenhänge zwischen ihnen. Der Test enthüllt nur, wie einige Verdachtsgene beschaffen sind. "Aber selbst, wenn man das Risiko für eine Krankheit trägt, ist damit noch lange nicht klar, dass diese auch ausbricht", betont von Neuhoff.

DPA/bub DPA

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