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Hintergrund: Der genetische Fingerabdruck

Der genetische Fingerabdruck ist die stärkste Waffe der Ermittler. Sehr oft finden sich DNA-Reste am Tatort, anhand derer der Täter genau ermittelt werden kann.

Mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen ist die DNA eines jeden Menschen einzigartig. Daher ist die DNA-Analyse bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen eine der effektivsten Waffen der Polizei. DNA-Reste von Tätern finden sich nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin bei etwa der Hälfte aller Tötungs- und Sexualdelikte.

Schon winzige Spuren von Blut, Speichel, Sperma, Haut oder Haaren am Tatort oder an der Kleidung des Opfers genügen, um einen genetischen Fingerabdruck zu erstellen und den entscheidenden Beweis zur Überführung des Täters zu erbringen. So können auch Fälle aufgeklärt werden, die bereits Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen.

Die Analyse ist zeitaufwändig, da die vorhandenen DNA-Reste oftmals nur in geringsten Mengen vorliegen. Mit einer speziellen Technik werden diese zunächst millionenfach vervielfältigt. Die DNA-Stränge werden dann mit speziellen Enzymen jeweils an den immer gleichen Stellen zerschnitten. Diese Enzyme arbeiten sehr spezifisch und schneiden bei jeder menschlichen DNA stets an exakt derselben Stelle.

Für die Identifizierung eines Menschen wird aber nicht das gesamte verwendet Erbgut verwendet. Dies wäre zu aufwändig und zu teuer. Am besten und schnellsten geeignet sind ganz bestimmte Abschnitte im Erbgut, die keinerlei Informationen für Gene enthalten. Sie schwanken in ihrer Sequenz von Mensch zu Mensch ganz besonders stark. Die DNA-Fragmente mit diesen Abschnitten sind es letztlich, die für den genetischen Fingerabdruck verwendet werden.

Um nun ein optisches Muster für die Identifizierung zu erstellen, werden die DNA-Fragmente zweidimensional aufgetrennt. Man lässt sie durch eine elektrisch geladenes Gel laufen. Die molekularen Maschen des Gels arbeiten wie ein Filter und trennen die unterschiedlich langen und schweren DNA-Fragmente räumlich auf. Es bildet sich ein spezifisches Bandenmuster. Jede Bande enthält ein DNA-Fragment in seiner millionenfachen Kopie. Durch spezielle Anfärbetechniken wird dieses optisch sichtbar gemacht. Das ist der genetische Fingerabdruck.

Wichtiges Instrument der Ermittler ist die 1998 eingerichtete DNA- Datenbank des Bundeskriminalamts. Der ermittelte genetische Fingerabdruck wird mit den gespeicherten DNA-Profilen und persönlichen Daten verglichen. Ist der Täter vorbestraft und liegt von ihm bereits ein genetischer Fingerabdruck vor, kann er dadurch er überführt werden. Ist der Täter nicht vorbestraft, können zudem im Verdächtigenkreis anhand von Speichelproben DNA-Profile erstellt und mit dem des Täters verglichen werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen den gleichen genetischen Fingerabdruck aufweisen, wird auf 1 zu 30 Milliarden geschätzt. Dies ist hinreichend genau, da auf der Erde zur Zeit rund 6 Milliarden Menschen leben.

Jens Lubbadeh mit Agenturen