Hirnforschung Chaos im Kopf


Warum lässt das Gedächtnis im Alter nach? Neue Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass das Hirn alter Menschen irrelevante Informationen nicht mehr richtig ausfiltern kann. Die Infoflut überdeckt, was wirklich wichtig ist.

Ältere Menschen können sich Neues nicht mehr so gut merken, weil ihr Gehirn weniger zielgerichtet arbeitet als das jüngerer Menschen: Die Fähigkeit, unwichtige Informationen zu ignorieren, lässt nach - mit der Folge, dass der interne Arbeitsspeicher überlastet wird und im Kurzzeitgedächtnis nicht unbedingt die Dinge ankommen, die für die aktuelle Situation relevant sind. Das haben amerikanische Forscher bei einer Studie entdeckt, in der sie die Gehirnaktivität älterer und jüngerer Freiwilliger während einfacher Gedächtnistests bestimmten.

Schuld an dieser Misere ist dabei wahrscheinlich das Versagen einer übergeordneten Kontrolleinheit, die die einzelnen Hirnregionen koordiniert. Über ihre Arbeit berichten Adam Gazzaley und seine Kollegen von der Universität von Kalifornien in Berkeley in der Fachzeitschrift "Nature Neuroscience".

Im Kopf herrscht ein Durcheinander aus Bildern

Die Forscher zeigten den beiden Probandengruppen - 17 Freiwilligen im Alter von 19 bis 30 Jahren und 16 Freiwilligen im Alter von 60 bis 77 Jahren - bei jedem Testdurchgang für einen Sekundenbruchteil zwei Bilder von Landschaften und zwei Darstellungen von Gesichtern. Dabei sollten sich die Testteilnehmer entweder auf die Gesichter konzentrieren und die Landschaften ignorieren oder umgekehrt.

Anschließend wurden die Probanden gefragt, ob sie ein bestimmtes Gesicht oder eine der Landschaften wiedererkannten. Während dieser Tests bestimmten die Wissenschaftler mithilfe der so genannten funktionellen Magnetresonanztomographie die Aktivität in verschiedenen Gehirnarealen der Probanden.

Konzentrierten sich die Testteilnehmer auf die Landschaften, stieg die Aktivität in den für solche Bilder zuständigen Gehirnregionen bei allen Probanden deutlich an. Versuchten die Testpersonen jedoch, die Landschaftsbilder zu ignorieren und sich auf die Gesichter zu konzentrieren, zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Altersgruppen: Die jüngeren Probanden konnten die für die Landschaften zuständigen Regionen praktisch ausschalten, während sie bei den älteren fast so aktiv blieben wie während des ersten Tests. Dieser Effekt war bei den Probanden besonders ausgeprägt, die die größten Schwierigkeiten mit den Gedächtnistests gehabt hatten.

Das zeige, dass die Gedächtnisprobleme nicht auf die mangelnde Konzentrationsfähigkeit der älteren Teilnehmer zurückzuführen sei, kommentieren die Forscher. Vielmehr spiele die Unfähigkeit, die Verarbeitung unwesentlicher Informationen zu unterdrücken, die Schlüsselrolle beim Versagen des Kurzzeitgedächtnisses. Sie hoffen nun, diese Entdeckung nutzen zu können, um in Zukunft bessere Therapien für die Erhaltung der Merkfähigkeit im Alter zu entwickeln.

DDP DDP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker