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Luftverschmutzung: Schifffahrt mit Todesfolge

Beim Thema Luftverschmutzung geht es meist nur um Straßen- und Flugverkehr. Forscher haben jetzt die Schifffahrt ins Visier genommen und kamen zu erschreckenden Ergebnissen: 60.000 Menschen sterben pro Jahr an Schiffsabgasen - Tendenz steigend.

Die Abgase des Schiffsverkehrs kosten jedes Jahr rund 60.000 Menschen das Leben, wie Forscher der Universität von Delaware und des Rochester Institute of Technology (RIT) jetzt herausgefunden haben. Besonders stark betroffen sind der Studie zufolge die Bewohner der europäischen Küstenregionen.

Lungenkrebs durch Schiffsabgase

Im Gegensatz zu Autos fahren Schiffe gewöhnlich mit Restöl, dessen Schwefelgehalt mehrere tausend Mal höher ist als der von gewöhnlichem Dieselkraftstoff. "Rückstandsöl ist ein Nebenprodukt des Raffinerieprozesses und ist in der Regel wesentlich schmutziger als andere Petroleumprodukte", erklärt Wissenschaftler James Winebrake. Anhand der verfügbaren Schifffahrtsdaten, Klimamodelle und regionalen Mortalitätsstatistiken errechneten die Experten den Einfluss des maritimen Verkehrs auf die Gesundheit. Demnach sterben jedes Jahr rund 60.000 Menschen an Herz-Lungen-Erkrankungen und Lungenkrebs, die durch Schiffsabgase ausgelöst werden. Davon entfallen rund 26.700 Todesopfer auf Europa, knapp 20.000 auf Ostasien, rund 10.000 auf Südasien und etwa 5.000 auf Nordamerika. Nicht berechnet wurden in der Studie die Auswirkungen der Abgase auf die Entwicklung von Kindern, auf Krankheiten wie etwa Asthma oder auf die wirtschaftlichen Schäden durch Arbeitszeitausfälle.

Emissionen werden zunehmen

Angesichts des zunehmenden Schiffsverkehrs werde die Menge der Emissionen bis zum Jahr 2012 voraussichtlich um bis zu 40 Prozent zunehmen, schreiben die Wissenschaftler in der Zeitschrift "Environmental Science and Technology". Die Veröffentlichung der Studie erfolgt zu einem wichtigen Zeitpunkt, denn die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) erwägt zurzeit, Obergrenzen für die Emissionen von Schiffen festzulegen. "Jetzt haben wir einen Richtwert, an dem wir den Nutzen von Emissionsgrenzen messen können", sagt Winebrake.

AP / AP