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Mehr Frauen in die Führungspositionen: Die Zeit ist reif für die Quote!

Mehr Frauen an die Spitze - das fordern 350 Journalistinnen. Eine Diskussion zum Gähnen, unsexy, von vorgestern? Von wegen. Leider immer noch nötig.

Ein Kommentar von Lea Wolz

Ach ja, die Quote. Nun ist die Diskussion darum also wieder da. In einem offenen Brief fordern mehr als 350 Journalistinnen eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent in den Spitzenpositionen der Redaktionen. Müßig, findet so mancher. Nervig oder gar überflüssig.

Ist es aber nicht. Denn die Realität hinkt noch immer meilenweit hinter den Versprechungen her. Erst vor Kurzem hat eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erneut bestätigt: Noch immer sitzen zu wenig Frauen in den Chefsesseln der deutschen Unternehmen. Geht es in dem Schneckentempo wie jetzt weiter, würde es nach dem DIW schlappe 131 Jahre dauern, bis es in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen gleich viele Frauen wie Männer gibt.

Auch bei den Dax-30-Firmen ist das Bild trübe. Dort finden sich in den Vorständen 180 Männer - und zehn Frauen. Bei den Aufsichtsräten sieht es nicht besser aus. Gerade mal 81 sind weiblich - bei 427 männlichen Vertretern.

Abwarten hilft nicht

Das zeigt: Schon viel zu lange haben wir Frauen auf freiwillige Vereinbarungen gebaut. Die erste gab es übrigens schon 2001. Und? Ist in den mehr als zehn Jahren etwas passiert? Viel zu wenig. Die schon vielfach beschriebenen männlichen Monokulturen gedeihen noch immer prächtig. Gleich und Gleich gesellt sich eben gern.

Wer als Frau Angst hat, nur des Geschlechts und nicht der Leistung wegen in Führungspositionen zu gelangen, der sollte sich zumindest eine Frage stellen: Wie häufig sind schon weniger gut qualifizierte Männer an Frauen vorbei nach vorne geprescht? Und wie häufig haben diese sich dabei mit Selbstzweifeln herumgeplagt? Eben.

Auch ich finde: Die Diskussion um die Quote ist müßig. Frauen sollten es alleine schaffen, oben anzukommen, Karriere zu machen, so sie das denn wollen. Tun sie ja zum Glück auch. Doch die zarten Pflänzchen der Hoffnung keimen viel zu langsam, wachsen häufig nur bis zu einer bestimmten Größe - und sie sind immer noch rar gesät. Damit sich schneller etwas ändert, brauchen wir die Quote. Wer solche Instrumente belächelt, sollte an die Vätermonate denken. Auch da hat ein fester Rahmen dazu beigetragen, dass verkrustete Strukturen aufbrechen - zum Wohle aller.

Die Zeit ist reif und die Quote kaum mehr aufzuhalten. Die "ProQuote"-Liste zeigt zudem: Das Thema geht uns alle an. Auch Männer haben das längst erkannt - und unterzeichnet. Mehr als 800 Unterstützer sind es mittlerweile.

Dass Journalistinnen und Journalisten über solche Missstände nicht mehr nur berichten, sondern auch die eigene Branche beleuchten, ist vor allem eines: überfällig. Denn die Diskussion muss so lange am Leben gehalten werden, bis sich etwas geändert hat. Dann kann die Quote getrost sterben.

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