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Psychologie-Studie: Aussehen wichtiger als Wahlprogramm

Der US-Wahlkampf hat gezeigt: Charisma ist wichtig, sportliches Aussehen und das Bild des Helden liegen nah beieinander. Forscher haben jetzt herausgefunden: Erwachsene wählen ihre Politiker nach einem kindlichen Schema. Der Kandidaten mit dem ansprechendsten Aussehen gewinnt.

Tiefgründige, ausgeklügelte Wahlprogramme braucht das Land? Mitnichten! Erwachsene wählen wie Kinder: nach dem Aussehen. Nachträgliche Informationen über die Kompetenz oder das Programm des Kandidaten ändern relativ wenig an der intuitiven Erstwahl, wie Forscher herausgefunden haben. Das berichten John Antonakis und Olaf Dalgas von der Universität Lausanne in der Schweiz im Fachjournal "Science".

In zwei Experimenten zeigten die Forscher Kindern sowie Erwachsenen Fotos von männlichen und weiblichen Kandidatenpaaren, die fünf Jahre zuvor in französischen Parlamentswahlen gegeneinander angetreten waren. Die Kandidaten im Rennen um den jeweiligen Parlamentssitz waren den Schweizer Probanden unbekannt; es handelte sich um die Gewinner und die Zweitplatzierten der Wahl.

Allein auf Basis dieser Fotos entschieden sich die 684 erwachsenen Teilnehmer in 72 Prozent der Fälle für den gleichen Kandidaten wie seinerzeit die französischen Wähler.

Die 681 Kinder zwischen 5 und 13 Jahren spielten zunächst ein Computerspiel, das die Reise der griechischen Sagengestalt Odysseus von Troja in seine Heimat Ithaka nachstellte. Anschließend sollten sie aus den Kandidatenpaaren jeweils einen Kapitän für ihr Schiff wählen. Die Kinder entschieden sich dabei ebenso wie die Erwachsenen: In 71 Prozent der Fälle wählten sie den Kandidaten zum Kapitän und damit zur ihrem Helden, der auch tatsächlich das Rennen gemacht hatte.

Gesicht entscheidet über Erfolg

Offensichtlich bewerten Erwachsene die Kompetenz eines politischen Kandidaten auch anhand von Mustern, die sich schon in der Kindheit ausprägen, folgern Antonakis und Dalgas. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass Wähler leistungsbasierte Informationen zu politischen Kandidaten nicht angemessen abwägen, wenn sie eine der wichtigsten demokratischen Pflichten eines Bürgers wahrnehmen", schreiben sie in ihrem Beitrag.

Im Jahr 2005 hatten Psychologen der Universität Princeton in den USA bereits berichtet, dass die Gesichter der Kandidaten das Ergebnis der meisten politischen Wahlen mitentscheiden. Sie unterzogen die Bewerber für einen Sitz im US-Kongress einer "Gesichtskontrolle" und sagten damit in zwei von drei Fällen den Gewinner korrekt voraus.

DPA / DPA
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