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Psychologie: Gleich und gleich hilft sich gern

Menschen unterstützen andere Personen offenbar eher, wenn sie so ähnlich aussehen wie sie selbst. Das haben italienische Biologen der Universität Padua in einer Zwillingsstudie herausgefunden. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich hierbei um ein Überbleibsel der frühen Menschheit handelt.

Optische Ähnlichkeit steigert die Hilfsbereitschaft

Optische Ähnlichkeit steigert die Hilfsbereitschaft

Die Tendenz des Menschen, ähnlich aussehende Personen bevorzugt zu behandeln, ist weit verbreitet. Immerhin könnte es sich um potenzielle Verwandte handeln, so die gängige Theorie. Forscher erklären diese Neigung damit, dass es in frühen Jäger- und Sammlerkulturen vorteilhaft war, nahe Verwandte zu unterstützen. Erkannt werden diese Verwandten, indem man nach Gemeinsamkeiten im eigenen und fremden Erscheinungsbild sucht, frei nach dem Motto: Wer einem optisch ähnelt, ist auch mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwie verwandt.

Die wichtigste Referenz dafür sind aber nicht etwa die vertrauten Gesichter von Familienmitgliedern, wie Forscher lange vermutet haben, sondern das eigene Aussehen: Je mehr eine andere Person einem selbst ähnelt, desto eher ist man offenbar bereit, ihr zu helfen. Das haben die italienischen Forscher Paola Bressan und Guendalina Zucchi von der Universität in Padua gezeigt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

In ihrer Studie ließen Bressan und Zucchi 17 eineiige und 18 zweieiige Zwillingspaare jeweils zwei Bilder danach beurteilen, ob sie der gezeigten Person helfen oder diese ihrem Zwilling als Ehepartner empfehlen würden. Der Trick: Die Forscher erzeugten die Fotos am Computer, indem sie ein Modellgesicht mit einem Foto der Probanden verschmolzen. Daraus entstand ein Gesicht, das zu 35 Prozent mit dem Aussehen der Probanden und zu 65 Prozent mit dem Modellgesicht übereinstimmte. Jeder Teilnehmer bekam das eigene, veränderte Gesicht und das seines Zwillings zu sehen.

Suche nach Ähnlichkeiten mit dem Selbstbild

Das Ergebnis: Bei den eineiigen Zwillingspaaren waren es 63 Prozent, bei den zweieigen 64 Prozent, die das aus dem eigenen Gesicht entstandene Bild bevorzugten - selbst dann, wenn es sich bei dem anderen um das nur geringfügig abweichende Gesicht des eineiigen Zwillings handelte. Das ist insofern überraschend, als es in frühen Jäger- und Sammlerkulturen keine Spiegel und damit auch keine Möglichkeit gab, das eigene Gesicht mit allen seinen Feinheiten zu studieren. Bislang hatten Forscher daher angenommen, dass sich der interne Standard für das Erkennen potenzieller Verwandten vor allem aus den Gesichtern von Geschwistern und Eltern zusammensetzt.

Die Forscher folgern nun aus der Studie, dass diese interne Referenz für den Vergleich tatsächlich in erster Linie vom Selbstbild geprägt wird. Zwar greift das Gehirn dafür auch auf visuelle Informationen über enge Verwandte zurück. Sobald aber Daten über das eigene Aussehen zur Verfügung stehen, wird der Entwurf durch eine verfeinerte Version ersetzt. Nur so könne eine zuverlässige Referenz sowohl für die Verwandten mütterlicherseits als auch für die väterlicherseits entstehen - schließlich könne man bei Geschwistern nie sicher sein, dass sie tatsächlich denselben Vater haben.

DDP / DDP
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